7 Gründe warum wir unsere Kinder nicht unterrichten (lassen)!

Warum wir unsere Kinder nicht unterrichten? Es wird einige vielleicht überraschen, doch wir unterrichten unsere Kinder nicht in dem Sinne, wie man sich das vorstellen mag. Und das, wo wir vorhaben, unsere Kinder niemals in eine Schule zu schicken! Doch wir sehen uns nicht als ihre Lehrer. Wir sind ihre Eltern und nichts anderes. Wir sind der sichere Hafen. Hierher können sie sich zurückziehen, wenn etwas einmal nicht so gut läuft oder Hilfe benötigt wird. Wir leben gemeinsam mit ihnen – tagtäglich.

Und doch lernen unsere Kinder. Jeden Tag, andauernd, ständig und nahezu ohne Unterbrechung. Lernen und unterrichten sind 2 Paar Schuhe, die wir hier auseinanderhalten. Wir wollen nicht in die Rolle eines Lehrers schlüpfen und unsere Kinder mit Informationen füttern, die sie zu gegebener Zeit wieder ausspucken sollen. Das ist nicht unser Weg.

7 Gründe warum wir unsere Kinder nicht unterrichten

1. Kinder wollen nicht unterrichtet werden!

Für gewöhnlich wollen Kinder nicht unterrichtet werden. Sie wollen selbst erleben und ausprobieren. Am eigenen Leib erfahren und selbst herausfinden, warum die Dinge sind, wie sie sind. Wir fragen unsere Kinder nicht danach. Wir schicken sie einfach in die Schule, ohne zu hinterfragen, ohne unsere Kinder selbst miteinzubeziehen. Dabei müssen sie Regeln akzeptieren, sich in Form pressen lassen und stehen Konflikten gegenüber, die sie selbst so wohl nicht gewollt hätten. Doch wir Erwachsenen sind grundsätzlich der Meinung, wir wissen es besser und unsere Kinder müssen nach unseren Vorstellungen unterrichtet werden.

Wenn wir an dieser Stelle einfach einmal loslassen würden, könnten wir sehen, wie wunderbar sich unsere Kinder auch ohne Bildungseinrichtung entwickeln, welche Fähigkeiten dabei zum Vorschein kommen und wie eines zum anderen kommt.

Zu behaupten man wisse, wann man einem Kind etwas beibringen muss, wie man es ihm beibringen muss und mit welchen Methoden es am besten funktioniert, ist nicht in Ordnung. Jeder Mensch ist anders gestrickt und keiner gleicht dem Nächsten. Wie also passt das zusammen? Wenn ein Kind unsere Hilfe benötigt, will es in erster Linie Informationen und keine Anleitung, wie es sich zu verhalten hat.

freilernen

2. Ein Mensch lernt nicht, wenn man ihn belehren will

Der Mensch lernt am besten durch Beobachtung und selber machen. Wenn wir etwas wirklich wissen wollen, müssen wir es selbst erfahren und gemacht haben. Die besten Voraussetzungen für unser Gehirn, um das Gelernte abzuspeichern. Wenn wir uns in einem Raum befinden, mit 30 anderen und jemandem, den wir zwangsweise als Autoritätsperson anerkennen müssen, der uns allen dasselbe und auch noch zur selben Zeit, mit denselben Methoden beibringen muss, sind die Voraussetzungen nicht die besten. Wenn wir das Gefühl haben, etwas lernen zu müssen, sinkt die Bereitschaft dazu, es tatsächlich zu wollen.

Wenn wir Erwachsene etwas wissen wollen, werfen wir oft erst einmal google an. Wenn das nicht ausreicht, richten wir unsere Fragen an andere – Freunde oder Bekannte. Wir schauen Videos, lesen ein Buch oder besuchen Kurse – gezielt, weil wir es wollen und nicht, weil jemand sagt, wir müssen das nun wissen oder können.

Vor nicht allzu langer Zeit waren Kinder in den Alltag integriert und haben alles, was sie zum Leben brauchen nebenbei gelernt. Durch Nachahmen und voneinander abschauen. Sie waren immer mitten im Leben und konnten sich so alles Nötige selbst aneignen. Erst in den letzten hundert Jahren kamen wir auf die Idee unsere Kinder gemeinsam in altershomogene Gruppen zu stecken und sie abseits des echten Lebens „lernen“ zu lassen.

3. Wir müssen unsere Kinder nicht gezielt unterrichten

Wer kam überhaupt auf die Idee, dass man Kinder gezielt unterrichten muss, damit sie etwas lernen? Kinder sind von Natur aus neugierig und es widerspricht ihren ureigenen Instinkten nicht zu lernen. Das ist nahezu unmöglich. Unsere Kinder sind absolut kompetent und in der Lage, sich selbst bzw. sich frei zu bilden. Sie lernen das, was sie brauchen, um in unserer Gesellschaft bestmöglich zurechtzukommen. Es besteht aus Sicht des Kindes kein Anlass dazu, nichts zu lernen! Meinen wir wirklich, unsere Kinder werden zu faulen und nichtsnutzigen Menschen, wenn wir sie nicht unterrichten lassen? Weit gefehlt!

Wenn unsere Kinder die Freiheit und Möglichkeit bekommen, das zu lernen, was sie in diesem Moment wollen/brauchen, werden sie unvorhersehbare Wege einschlagen und aufblühen – sie lernen sich selbst zu vertrauen – beste Voraussetzungen um das Leben zu meistern.

4. Lernen soll Spaß machen und nicht auf Kosten der Kinder gehen

Wenn wir einem Kind alles vorgeben und ihm zeigen, wie es vermeintlich richtig funktioniert, nehmen wir ihm die Chance, es selbst zu entdecken. So lernt das Kind, dass Lernen keinen Spaß macht und es selbst nicht in der Lage ist, die Dinge herauszufinden. Leistungsorientierter Druck schadet unseren Kindern auf allen Ebenen – Kinder sind so nicht mehr in der Lage aus Freude und Interesse zu lernen. So entsteht Frust und es wird nur noch gelernt, um es für Tests und Prüfungen wieder herauszuspucken.

freilernen leben ohne schule

5. Wir sind nicht ihre Lehrmeister

Es ist Tatsache, dass es wohl eher andersherum ist. Wir können manchmal mehr von unseren Kindern lernen, als uns lieb ist. Abgesehen davon orientieren sich Lehrer an einem Lehrplan. Wir nicht. Wir sind keine Lehrer und wollen es auch nicht sein, denn ein Lehrplan gibt vor. Wir geben nicht vor. Wir vertrauen unseren Kindern, dass sie das Richtige tun. Wir begleiten unsere Kinder im Prozess des „Erwachsenwerdens“ und sehen uns eher als Unterstützung, wenn diese gewünscht oder gebraucht wird.

Wir glauben nicht daran, dass alle Kinder im selben Alter, zur selben Zeit dasselbe lernen müssen und auch nicht, dass dies unsere Kinder optimal fördert und auf das Leben vorbereitet. Man kann niemanden auf das Leben vorbereiten. Leben passiert – genauso wie lernen und ist unvorhersehbar. Woher weiß ich, dass mein Kind später einmal unbedingt Mathematik braucht, um zurechtzukommen? Jahrelang halte ich mein Kind dann dazu an, Mathe zu pauken und vergesse dabei, dass mein Kind viel besser zeichnen kann – was genau habe ich dann gefördert, wenn Mathematik kein Bestandteil des weiteren Lebens mehr sein wird?

Unsere Kinder gehen ihren eigenen Weg, finden ihre eignen Lehrmeister oder sind sich selbst die besten Lehrer.

6. Wir vertrauen auf die Fähigkeiten unserer Kinder

Absolutes Vertrauen ist Voraussetzung um seine Kinder freilernen zu lassen. Wir selbst wissen nicht, was unsere Kinder brauchen. Das können sie selbst am besten einschätzen. Wir maßen uns nicht an, besser zu wissen, was ihnen gut tut. Die Methoden unseres Schulsystems sind zweifelhaft und machen es unseren Kindern nicht gerade leicht, von sich selbst und den eignen Talenten überzeugt zu sein. Schule fördert keine Begabungen – manchmal ist das Gegenteil der Fall und von Vertrauen in die Fertigkeiten der Schüler ist hier nichts zu sehen. Wo Zwang herrscht, kann nichts Gutes dabei herauskommen.

7. Kinder lernen ununterbrochen

Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass Kinder ununterbrochen lernen. Es ist gar nicht nötig, schulähnlichen Unterricht zu veranstalten, um unseren Kindern etwas beizubringen. Das können sie selbst, ganz ohne einen festgesetzten Rahmen. Vom Tage ihrer Geburt an, lernen unsere Kinder. Wir wollen in diesen wunderbaren Prozess nicht eingreifen und ihn auch nicht durch einen Schulbesuch unterbrechen oder dadurch gar zum Stillstand bringen.

Wir respektieren unsere Kinder. Sie haben das Recht über ihren Körper sowie über ihr Leben selbst zu bestimmen. Wir haben nicht das Recht über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden, die Kontrolle zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, ohne dass unsere Kinder daran beteiligt wären. Wir schränken das Bedürfnis unserer Kinder nach Autonomie nicht ein und das bleibt so, bis die Gesellschaft selbst ihnen das Recht darauf zugesteht.

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Alles Liebe, Eure Ökofamilie

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Comments

Kommentare

17 Kommentare

  1. Vielen Dank für diese Zeilen! Sie könnten wirklich Wort für Wort von mir stammen 😀 Ich freue mich sehr, dass Ihr Euren Weg gefunden habt und auch, dass Ihr immer wieder über das spannende Thema Freilernen berichtet! Alles Liebe für Euch, Sabine

  2. Liebe Nadine, das sehe ich alles ganz genauso! Es kommt mir so völlig normal vor – und das »andere« völlig erzwungen!
    Es müsste doch enorm viele geben, die das genauso sehen – aber ich habe oft das Gefühl, dass die Leute dem »System« wie so oft folgen, ohne es groß zu hinterfragen, vielleicht, um nicht aufzufallen… wie heißt es so schön – mit dem Strom schwimmen fällt leichter – aber – wenn ich so mit anderen Müttern spreche – wie unglücklich sie sind – über den Schul- oder Kindergartenalltag – dann frage ich mich, weshalb diese völlig natürliche – und für mich völlig normale Art – Kinder »frei« großzuziehen, hierzulande nicht schon längst Gang und Gäbe ist!? Nicht zuletzt, weil sie sicher einige Familien viel glücklicher machen würde, aber, das muss jeder natürlich für sich wissen.
    Ich möchte niemanden vorschreiben, was er zu tun hat! Dennoch würde ich es toll finden, wenn die Gesellschaft endlich akzeptieren könnte, dass es auch andere Wege im Leben gibt. Das ist so schade!
    Alles läuft immer mit Erfolg, Druck, Zwang … Kinder machen ihre eigenen tollen Erfahrungen und Erfolge und anstatt dass wir sie dafür bestaunen und loben, wird nur an ihnen herumgemäkelt was sie alles noch falsch machen … das ärgert mich sehr. Ich liebe meine Kinder so wie sie sind. Wir alle sind einzigartig. Ist das nicht schön?!
    Ich habe so viele Erwachsene in allen Bereichen kennengelernt, die sich gleich enorm ärgern oder scheußlich werden zu den Kindern, bloß weil sie nicht so »ticken«, wie sie es gerne wollen – Kinder sollen ausschließlich »funktionieren« – als würden sie bereits in einer geklonten Art und Weise arbeiten müssen … selber denken, eigene Wege gehen … Fehlanzeige.
    Liebe Grüße

  3. Hallo liebe Lisa,

    uns geht es ähnlich. Zumal viele das System auch noch verteidigen. Ich verstehe das sehr gut, ich war auch einmal der Ansicht und konnte andere in meiner Position nicht verstehen! Ich war überzeugt von unserer Politik, unserem System und hätte wohl genauso reagiert 😉 Ich denke, es ist auch eine Art Schutzmechanismus. Sonst müsste man sein ganzes bisherigen Leben in Frage stellen – das ist nicht leicht. Wir fänden es auch schöner, wenn jeder für sich selbst entscheiden könnte, was zur Zeit wohl nur möglich ist, wenn man das Land verlässt. Schade! Mich ärgert es auch sehr, dass man immer nur das Schlechte sieht – aber ich bin sicher, dass wir so viele sind, dass sich bald etwas ändert.

    Alles Liebe,
    Nadine

  4. definiere »bald« :)) Ich vermute da bin ich bereits ne Omi, aber wenn der Tag kommt, stoß ich drauf an! 🙂 LG

    • Ha – ich auch 😛 Ich habe das Gefühl, dass das Fass bald überläuft. Es haben einfach zu viele Familien Probleme mit dem deutschen Schulsystem, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist.

  5. Ja, besser früher als zu spät! 🙂 Am liebsten würde ich ja auch ins Ausland flüchten – ihr habt´s echt so schön und seit so mutig! Ich hoffe für euch, dass alles so klappt, wie ihr es euch erwünscht! Von Herzen! 🙂 LG

  6. Hallo Nadine,

    wir planen gerade unseren Urlaub. Da ihr ja auch mit dem Wohnwagen unterwegs seit, habt ihr ein paar schöne Tipps wo es euch sehr gefallen hat in Portugal, oder auch unterwegs dorthin?

    Liebe Grüße

    • Liebe Lisa,

      schau einmal auf unserem Youtubekanal vorbei, da haben wir ein paar schöne Orte gezeigt 🙂 Ansonste schreib mir gerne eine Mail, dann bekommst du unsere Geheimtipps 😉

      Alles Liebe,
      Nadine

  7. Liebe Nadine,
    ein sehr schöner Artikel, Du hast alle Punkte so gut zusammengefasst! Ich bin genau der gleichen Meinung.
    Auch insgesamt finde ich Deine Seite toll, sowohl die Texte als auch die Videos.
    Ich wünsche Euch alles Gute für eure weitere Reise.

    Viele Grüße
    Mandy

    • Hallo liebe Mandy,

      vielen lieben Dank! Wenn ich einmal mehr Zeit habe, klicke ich mich durch deine/eure Seite 🙂 Zur Zeit haben wir kein Internet und müssen immer alles schnell schnell erledigen :/

      Alles Liebe,
      Nadine

      • Liebe Nadine,
        unsere Seite ist noch im Aufbau und ich habe einfach mal probiert, was passiert, wenn ich sie hier in einem Kommentar mit eintrage. Oh je, nun willst Du schon als erster Gast bei Gelegenheit mal auf unsere Seite gehen. Das motiviert mich ja, endlich mal den ersten Inhalt hineinzubekommen.
        Bis demnächst
        Mandy

  8. Hallo Nadine,

    wollte mich zwischendurch auch mal wieder melden. Ich beneide euch ja so, dass ihr als Freilerner auf dieser Welt unterwegs sein könnt. Mein Mann ist leider kein Fan davon und ich werde momentan von der Schule gemobbt – aufgrund deren Vorurteile über Menschen die ihre Kinder nicht in den Kindergarten geben. Die Zeit die ich gerade durch machen muss, wünsche ich niemandem, diese Gespräche in denen man selbst und die Kinder grundlos abgewertet werden, aber ich bereue keine Sekunde das ich mich dafür entschieden hatte, selbst mit meinen Kindern den Tag zu gestalten – anstatt sie einfach irgendwo abzugeben. Wir hatten eine wunderschöne Zeit – auch wenn mich nun die harte Realität bösartiger Menschen zurück auf den Boden holt.

    Liebe Grüße

    • Liebe Lisa,

      puh! Das hört sich so fies an und ich kann es sehr gut nachempfinden. Ich finde es so schrecklich wie bösartig wir in Deutschland miteinander umgehen. Jeder gegen jeden. Grauenvoll und sehr sehr traurig.

      Es tut mir wirklich sehr leid für dich und deine Kinder. Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Manchmal muss man sie sich einfach schaffen. Immerhin mussten sie keine KiTa besuchen!

      Alles Liebe,
      Nadine

  9. Hallo Nadine,

    interessanter Artikel. Wie geht ihr beim erlernen von Fremdsprachen z.B. Englisch vor?
    Muss man nicht auch im Ausland Nachweise über den Lernstand erbringen wenn man seine Kinder nicht in die Schule schickt?

    Danke und Liebe Grüße

    • Nadine Wiedmann

      Hallo Svenja,

      in den meisten Ländern ist das egal bzw legal seine Kinder nicht zur Schule zu schicken.
      Fremdsprachen werden nebenbei gelernt. Ein Beispiel: Lysander möchte ein Eis, dann will er wissen, was sagen muss. Oder wenn er fragen möchte was etwas bestimmtes kostet. Es passiert einfach, indem wir direkten Kontakt haben.
      Manches möchte er auch einfach so wissen. Er kommt gezielt auf uns zu und will es lernen.

      Alles Liebe,
      Nadine

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