Extreme Wutausbrüche – Was mache ich falsch? Trotzphasen gibt es nicht!

Heute haben wir ein etwas emotionales Thema für euch – extreme Wutausbrüche. Zurzeit finden diese bei uns vermehrt statt. Nichts mehr mit Friede, Freude oder gar Eierkuchen! Unser Mädchen ist absolut willensstark, sehr emotional und bringt alles augenblicklich zum Ausdruck. Wenn also etwas innerhalb der Familie disharmoniert, macht sich das sofort an ihren Reaktionen bemerkbar – extreme Wutausbrüche. Wir als Eltern haben oft damit zu kämpfen und sehen vor lauter Wald die Bäume nicht mehr. Zugegeben ist es manchmal auch nicht einfach, das eigentliche Problem ausfindig zu machen, wo wir doch schon genügend mit unserem Alltag beschäftigt sind.

Wutausbrüche – Kinder sind ein ausgezeichneter Indikator für Fehler im System

Läuft etwas schief oder anders als gewohnt, gerät Aurelia sofort aus der Bahn und zeigt uns: Hey! Ihr müsst etwas ändern! So geht das nicht! Natürlich vermittelt sie uns das nicht verbal, sondern brüllt uns an. Sie schreit voller Inbrunst aus Leib und Seele, dass man meinen möchte, ihr tut etwas weh. In gewisser Weise ist genau das auch der Fall. Kinder sind ein wunderbarer Indikator für Probleme, welche die allgemeine Harmonie stören und uns am Weiterkommen hindern. Ebenso zeigen sie uns, wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb einer Familie ins Stocken geraten, oder nicht mehr so sind, wie sie sein sollten und dringend etwas getan werden muss. Wir schieben gerne alles von uns – vor allem wenn es um Verantwortung geht. Manchmal wollen wir uns die Dinge nicht eingestehen und suchen die Gründe außen, doch das ist nicht der richtige Weg.

Reflektieren und das Problem an der Wurzel packen

Wo wir als Eltern doch immer irgendwo ausgelaugt und manchmal am Ende sind, ist es in einer derartigen Situation doch wichtig, zu reflektieren und die Gefühle des Kindes ernst und vor allem wahrzunehmen. Von nichts kommt nichts und bei unseren Kindern kann das üble Konsequenzen haben. Mir selbst hilft es, einen Moment aus der Situation heraus zu gehen, um mich ein paar Sekunden lang zu sammeln und konkret zu überlegen, was sofort getan werden kann, um meinem Kind genau jetzt zu helfen.

Doch weil wir nicht nur das Symptom behandeln wollen, sondern die tatsächliche Ursache, müssen wir tiefer graben. Was hat sich geändert, haben wir etwas verändert? Wo steht mein Kind im Moment und was ist gerade von großer Bedeutung? Manchmal steckt ein Entwicklungsschritt dahinter – im Leben weiterkommen, einfach groß werden. Unsere Aurelia übernimmt sich gerne mit ihren 2 Jahren. Sie möchte gerne alles „alleine“ machen. Für sie sehr wichtig, doch manchmal klappt es nicht so, wie sie es sich vorstellt. Das macht sie unglaublich wütend und an diesem Punkt ist es wichtig, ihre Gefühle ernst zu nehmen und sie dabei zu unterstützen, wenn es denn gewünscht wird. Auch wir Erwachsenen kennen das Gefühl, wenn etwas nicht klappt. Ein Kind kann diese Gefühle noch nicht so recht einordnen und benötigt dabei unsere Hilfe.

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Trotzphasen gibt es nicht

Es gibt Zweierlei Arten von Wutausbrüchen – zumindest bei uns. Die einen würde man der Trotzphase in die Schuhe schieben. Doch dabei handelt es sich lediglich um Situationen, in denen unser Kleinkind einfach nicht vorankommt. So sehr sie sich auch anstrengt und sich wünscht, sie würde doch ein Stückchen weiter kommen, schafft sie es nicht. Natürlich ist sie nicht unfähig, aber für manches schlichtweg noch zu klein. Wir geben ihr immer Raum und die Möglichkeit sich auszuprobieren und nach Herzenslust das zu versuchen, wonach auch immer ihr der Sinn steht. Dass das kein Garant fürs Gelingen ist, ist uns klar, unserem Mädchen jedoch nicht. Da bleiben Wutausbrüche nicht aus. Mich macht es auch verdammt wütend, wenn etwas nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe. Zum Glück habe ich meine Gefühle unter Kontrolle, von meinem Kind kann ich das aber nicht erwarten!

Du musst dich durchsetzten! Sei konsequent!

Konsequenzen haben in der Vergangenheit bei uns zu viel Frustration und Tränen (nicht nur beim Kind) geführt. Kein Kind möchte gegen seine Eltern arbeiten. Im Gegenteil! Sie wollen es uns nur recht machen und wir ernten dabei das, was wir säen. Jedes Kind ist ein eigenständiges kleines Wesen, das wahrgenommen werden möchte. Der gut gemeinte Rat „Du musst dich durchsetzen, dein Kind bockt nur“, ist hier völlig fehl am Platz. Denn das ist nicht wahr. Wenn sich ein Kind hilflos fühlt und dann auch noch mit dieser Vielzahl an Gefühlen (die es nicht einmal einordnen, geschweige denn verstehen kann) allein gelassen wird, kann nichts Gutes daraus wachsen. Bleiben wir standhaft und das Kind rennt gegen eine Mauer, lernt es nur: Ich bin allein. Das trifft einen kleinen Menschen ganz schön hart und lässt ihn resignieren.

Wir können nicht immer und jederzeit alle Bedürfnisse wahrnehmen und sofort für Abhilfe sorgen, aber wir können da sein und zumindest versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Einfühlsam und liebevoll begleiten

Es ist leichter, sein Kind sich selbst zu überlassen oder anzuherrschen. Manche Kinder reagieren darauf, sie sind es gewohnt, nicht gesehen zu werden und aufzugeben. Das mag einfach sein, aber definitiv nicht richtig. Manchmal ist es nur eine simple Umarmung, die Abhilfe schafft und dem Kind zeigt: Wir sehen dich, wir lieben dich und stehen dir zur Seite! Wir wissen um all die Entwicklungsschritte und Phasen des Erwachsenwerdens, unsere Kinder jedoch nicht. Für sie ist jeder neue Lebensabschnitt eine gänzlich neue Erfahrung, die erst einmal verarbeitet werden muss. Wenn sich dann die äußeren Rahmenbedingungen hin und wieder ändern, kann das harte Arbeit für das Kind sein. Ab und zu bedeutet das Frust und ein anderes Mal große Freude. Doch all das gehört dazu und bleibt sicher nicht aus.

Zusammengefasst kann man sagen, es gibt keine Wutausbrüche ohne Grund und auch keine Trotzphase. Wir müssen genau hinsehen und erkennen, was in unseren Kindern vorgeht. Manchmal fühlen sich unsere Kleinen einfach nur hilflos, wollen sie doch eigenständig sein. Ein anderes Mal läuft etwas nicht wie gewohnt, es gab große Veränderungen oder ein bedeutsamer Entwicklungsschritt bahnt sich an. Bleibt in Kontakt mit euren Kindern!

Ein Patentrezept gibt es nicht

Um Abhilfe zu schaffen und Lösungen zu finden, mit denen alle Familienmitglieder zufrieden sind, muss man die Gesamtsituation betrachten. Ich weiß, ich wiederhole mich teilweise, aber auch nur um klarzustellen, wie es gemeint ist. Zuerst müssen wir als Eltern auf jeden Fall Ruhe bewahren, auch wenn wir gerne aus unserer Haut fahren und mindestens genauso laut schreien wollen, wie unser Kind.

  • Ruhe bewahren, für einen Moment in sich gehen
  • Dein Kind liebevoll begleiten, statt laut zu werden
  • Augenkontakt herstellen – so weiß dein Kind, du siehst es
  • Einfach in den Arm nehmen, Liebe zeigen, trösten
  • Verständnis für die Gefühle des Kindes zeigen
  • Nachhaken, wo das eigentliche Problem liegt
  • Aktiv werden, Taten sprechen lassen, Alternativen anbieten
  • Das Kind mit in die Lösung einbeziehen

Hat man die Ursache erkannt, löst sich das Problem meist von selbst, da die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder oft erfüllbar sind. Manchmal geht es im Alltagsstress unter, das wissen wir alle. So merken wir teilweise nicht, wie wichtig der Wunsch tatsächlich ist. Sollte es aus diversen Gründen einmal nicht möglich sein, das Bedürfnis zu erfüllen, kann es dem Kind helfen, wenn man Alternativen anbietet. So weiß das Kind, dass es beachtet und ernst genommen wird. Durch aufmerksames Beobachten und Verstehen des Kindes, weiß man als Mutter oder Vater, was in welcher Situation wie an- oder aufgenommen wird und kann dementsprechende Alternativen anbieten.

Wir wissen, es ist oft leichter gesagt, als getan. Wir alle lieben unsere Kinder und holen das Beste aus uns heraus, um ihnen gerecht zu werden. Auch wenn das Beste uns manchmal enorme Anstrengung kostet, müssen wir im Auge behalten, dass unsere Kinder die Welt vollkommen anders wahrnehmen als wir.

Bis dahin – Eure Ökofamilie

 

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Comments

Kommentare

3 Kommentare

  1. Ihr Lieben, das ist ein ganz wunderbarer Artikel, den wir gern teilen. Schön, dass ihr eure Kinder als „richtige“ Menschen anseht! Viele können das leider nicht nachvollziehen und meinen, dass man Kinder erziehen muss, weil sie so wie sie sind noch keine „richtigen“ Menschen sind. Ihr seid klasse. 🙂

    Liebe Grüße
    Patrick

    • Hallo ihr Lieben 🙂
      ihr seid mindestens genauso klasse 😉
      Wir selbst bekommen leider oft genug mit, dass Kinder einfach
      übergangen werden und vor allem nicht ernst genommen. Eben weil
      man sie nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft
      ansieht. Zumindest überwiegend. Zum Glück spricht es sich langsam
      rum und es findet ein Umdenken statt!
      Ganz liebe Grüße,
      Sascha und Nadine

  2. Vielen herzlichen Dank für diesen Artikel. Ich mache mir über das Wort „Trotz“ schon lange Gedanken! Ich finde es furchtbar, weil es ja irgendwie meint, dass jemand mit Absicht gegen das „Richtige“ aggressiv vorgeht. Ich kenne selbst solche Situationen, in denen ich einfach nur überfordert bin und mir alles zu viel wird, und eigentlich total banale Dinge mich zum ausrasten bringen. Ich könnte heulen oder schreien und will nur, dass alles JETZT sofort so wird, wie ich es mir gedacht habe. Dann bin ich froh, wenn mein Mann mich einfach versteht und ernstnimmt, ohne Vorwürfe und mit viel Liebe.
    Darum kann ich kleine Kinder gut verstehen, der Körper verändert sich viel schneller als der Geist hinterherkommt. Und auf der anderen Seite will der Geist mehr, als der Körper fähig ist zu leisten. Meist tut das Wachsen noch weh (Zähne) und dann ist man schnell überfordert.
    Es fällt mir zwar im stressigen Alltag auch immer super schwer, Rücksicht zu nehmen. Aber ich glaube, ich bin es meinem Kind schuldig, auf seine Bedürfnisse einzugehen, wenn ich möchte, dass es sich selbst kennenlernen kann und sich wertgeschätzt fühlt. Wie soll es denn mal auf andere eingehen, wenn ich ihm nicht vorlebe wie man das macht.
    Aber ich komme mir auch irgendwie wie ein Alien vor, weil man seine Kinder ja bestrafen MUSS, wenn sie trotzen, sonst lernen sie ja nicht, was RICHTIG im Leben ist,…
    Darum freue ich mich, dass ich nicht ganz allein da draußen bin. Herzlichen Dank!

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