Freies spielen in der Natur – wie wichtig ist das wirklich?

Vor kurzem habe ich einen Artikel über das freie Spielen in der Natur gelesen, der mir ein wenig zu denken gab. Er handelte davon wie sich unsere Kinder  Schritt für Schritt von der Natur entfernen, weil es immer weniger Raum für das freie Spiel in der Natur gibt. Mir war klar, dass die Kinder heute weniger draußen in der freien Natur spielen und das Leben mehr drin statt draußen stattfindet. Was mich ein wenig stutzig gemacht hat, ist die Angst der Eltern, den Kindern könne beim alleine draußen spielen etwas zustoßen. Nach ein wenig google „Recherche“ hat sich bestätigt, dass die Angst in Deutschland tatsächlich sehr groß ist. Die Kinder könnten entführt werden, steht an erster Stelle. Sicher ist diese Angst etwas mit dem ich auch zu kämpfen habe. Nur bin ich da ein wenig entspannter. Es passiert – ja. Aber nicht ständig und nicht überall. Dazu kommen noch Verletzungen oder das Kind könnte sich zu weit entfernen, verläuft sich und findet nicht nach Hause. Natürlich wollen wir unsere Kinder beschützen, aber wie sollen sie sich zu eigenständigen kleinen Persönlichkeiten entwickeln, wenn wir sie dauerhaft überwachen. Es ist nichts neues, dass die Kinder enorm von der Natur profitieren und sie ihnen hilft ihre  sozialen, kognitiven, motorischen und emotionalen Fähigkeiten weiter auszubauen. Die Zeit in der Natur ist also wichtig für die kindliche Entwicklung. Kinder von der Natur fern zu halten kann psychische Erkrankungen hervorrufen, ebenso wie der Bewegungsapparat darunter leidet. Natürlich kann man sein Kind in Sportvereine stecken und im Kindergarten und in der Schule wird auch ab und zu einmal geturnt. Aber es ist nicht dasselbe wie das freie Spiel in der freien Natur! Das fordert Aufmerksamkeit, die Kinder müssen lernen Gefahren einzuschätzen. Auch wird die Kreativität gefördert, es gibt ja kein vorgegebenes Spiel, was für die meisten Kinder aber wirklich kein Problem darstellt.

Kind im Wald, Natur

Erinnern wir uns an unsere Kindheit. Wir verbrachten die Tage ausschließlich draußen, drinnen war viel zu langweilig. Zwar gab es zu unserer Zeit auch schon das Fernsehen, aber das war nicht einmal halb so interessant wie die Tage draußen zu verbringen. Mal alleine, mal mit Freunden. Schon als ich ganz klein war, bin ich alleine mit meinem Hund raus, einfach so, nur um draußen zu sein. Zu sehen wie mein Sohn im Wald aufblüht ist wunderbar. Und gleichzeitig ist es niederschmetternd, da wir nicht einmal halb so viel Zeit draußen verbringen können wie wir es gerne hätten. Das ganz normale Leben mitten in einer deutschen Stadt macht es irgendwie trotz aller Bemühungen nicht möglich. Vor unserer Haustüre gibt es einen kleinen Spielplatz mit ein bisschen grün drumherum. Der ist derart heruntergekommen, dass da kein Kind spielen möchte. Man könnte die Kinder einfach rausschicken, tut es aber in diesem Fall nicht, weil keiner dafür sorgt, dass es ansprechend ausschaut. Es lungern dort höchstens ein paar heimlich rauchende Jungendliche am Abend herum. Die nächste Grünfläche liegt auf der anderen Straßenseite und dazwischen eine stark befahrene Straße. Der nächste Wald ist zwar nicht weit, der Weg führt aber an der stark befahrenen Straße entlang. Wie man es dreht, alleine kann man die Kinder in der Stadt nicht mehr rauslassen, selbst wenn diese das wollten.

Freies Spielen in der freien Natur – zu gefährlich, zu stressig?

Unbeschwertes alleine draußen spielen scheint heutzutage nicht mehr möglich zu sein. Zu viele Gefahren drohen, aber eigentlich sehnen sich auch die Erwachsenen nach mehr Natur. Sie würden gerne mehr Zeit mit ihren Kinder draußen in der Natur verbringen, doch schaffen es kaum. Zu viel Arbeit, zu viel Stress, zu viel zu tun und entspannen will man auch irgendwann einmal. Dabei kommt man oft nicht auf die Idee die Entspannung in der Natur zu suchen, wo sie uns doch am meisten hilft. Einem rauschenden Bach zu lauschen oder das rascheln der Blätter im Wind, das Meer in der Brandung, das Gefühl einfach nur auf einer Wiese zu liegen oder einem Sonnenuntergang zuzusehen. Das sind Dinge die ich als Kind gerne getan habe und auch heute noch gerne mache und die mich unglaublich entspannen. Doch leider fehlt die Zeit dazu. Wann kann man sich denn schon einmal still hinsetzen und der Natur zuhören? In der Stadt so gut wie unmöglich. Und da finden unsere Leben nun einmal statt. Zumindest lebt der Großteil der Bevölkerung in der Stadt. Stadtparks machen es leider nicht besser, wenn ich auch sehr begrüße, dass es überhaupt welche gibt.

Unser Bild von der Natur verschwindet nach und nach. Die meisten Tiere kennen wir nur noch aus dem Zoo, wenn sie nicht bereits ausgestorben sind und an Hunde dürfen die meisten Kinder auch nicht mehr ran. Die Angst vor Infekten ist zu groß und außerdem könnte der Hund auch beißen. Bäume können wir nicht mehr benennen, geschweige denn Blumen und heimische Kräuter sind so ziemlich jedem fremd. Wie Obst und Gemüse wächst, woher gesunde lebendige Nahrung kommt wissen die Kinder heute nicht mehr und auch viele Erwachsene sind da keine Ausnahme! Was soll es die Kinder interessieren wenn die Erwachsenen keinen Wert darauf legen?

Wir sind alle miteinander und mit der Erde verbunden. Je weiter wir uns von Mutter Natur und von einander entfernen, desto schlechter geht es uns. Wir haben heute mehr Kranheiten und Defizite als je zuvor und das liegt nicht etwa daran, dass wir es heute besser erkennen können. Nein, viele Krankheitsbilder existierten bis vor ein paar Jahrzehnten überhaupt nicht. Die Stadt macht depressiv und die viele Arbeit mit immer weniger echtem Ausgleich macht es nicht besser. Unsere Kinder leiden am meisten darunter. Wir haben noch ein klein wenig Bezug zu unserer Umwelt, aber unsere Kinder lernen die Welt zunehmes über elektronische Mittel kennen. Sie mögen wissen wie ein Apfelbaum aussieht, zumindest theoretisch, aber es ist etwas anderes wenn man sich einmal selbst einen Apfel gepflückt hat…

Wie gestaltet ihr euren Alltag in der Stadt, welche Lösungen habt ihr für euch gefunden?

Quellen: Eltern wollen Kinder nicht nach draußen lassen
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Comments

Kommentare

4 Kommentare

  1. Ich kann dem voll zustimmen. Für mich ist es ein Ausgleich, mich ins Auto zu setzen, 10 Minuten zu fahren aufs Feld raus aus der Stadt mit Hund und Kind. Es gibt zu jeder Jahreszeit so viel zu sehen. Das größte Hindernis ist meiner Meinung nach nicht der Zeitmangel, sondern die Überwindung. Denn selbst wenn man sich dort nur 45 Minuten aufhält, tankt man wieder enorm den Energiehaushalt auf.

    • Hallo liebe Lydia,

      da hast du recht, es kostet die Menschen tatsächlich Überwindung, sich einfach raus in die Natur zu begeben.
      Ich denke, das liegt auch daran, dass viele denken, es sei langweilig, ohne künstlich erschaffene Welten.
      Oft wissen die Menschen einfach gar nicht, was sie machen sollen 😉

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  2. Pingback: Monatsrückblick März

  3. Ja! Ja! Es ist wunderschön wie der Herbst gerade hereinbricht. Der Nebel am Morgen, der Geruch der feuchten Wiese, die Blätter die langsam fallen und so vieles mehr. Wir sind draussen soviel wir können und oh wie dankbar bin ich, dass der Wald und der Bach und die Felder gleich nebenan sind. Wie sehr geniesse ich es unsere vier Kleinen immer mehr ziehen zu lassen um die Welt zu entdecken.

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