Warum unsere Kinder Freilerner sind und wie wir das anstellen

Freilernen ist nicht zu verwechseln mit Homeschooling. Freilernen bedeutet auch nicht, dass man sein Kind sich selbst überlässt. Es bedeutet, seinem Kind die Möglichkeit zu bieten, seinen individuellen Interessen nachgehen zu können, dann wenn das Kind möchte und bereit dazu ist. Dem jungen Menschen einen Rahmen zu geben, um sich selbstbestimmt und selbstorganisiert das Wissen anzueignen, welches gerade von vorrangigem Interesse ist.

Mein Kind lernt nicht von selbst

Das bekommen wir oft zu hören. „Mein Kind lernt nicht von selbst. Es spielt den ganzen Tag, Buchstaben und Zahlen interessieren mein Kind kein bisschen und wenn ich versuche mein Kind in die Richtung zu bewegen blockt es ab“.

Wenn sich ein Kind  nicht für das interessiert, was wir als wichtig erachten, bedeutet das keinesfalls, dass etwas nicht stimmt oder das Kind niemals schreiben und rechnen lernt. Wir gehen immer von der Schule aus. Mit 6 Jahren fängt man in der ersten Klasse mit den Buchstaben an. Aber wer sagt, dass alle Kinder mit 6 anfangen müssen zu schreiben? Wer sagt, dass alle Kinder in diesem Alter dieselben Interessen haben, bzw alle zum selben Zeitpunkt, im selben Alter schreiben und rechnen (lernen) können müssen? Das klingt so absurd. Wir alle sind unterschiedlich, haben unterschiedliche Interessenschwerpunkte und lernen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Warum gehen wir dann davon aus, dass auch ein Kind, dieselben Dinge in demselben Alter können muss, wie die anderen Kinder in der Schule?

Das eine Kind kann mit 4 bereits wunderbar rechnen, lernt dafür aber erst mit 8 das Schreiben, oder anders herum. Das wäre doch völlig in Ordnung.

Ich kann die Schule nicht ersetzen

Musst du auch nicht. Abgesehen von einem guten Abschluss nimmt man oft nicht viel mit. Das Lernen beschränkt sich bei den allermeisten Themen auf den theoretischen Teil. Der vermittelt uns natürlich nichts Praktisches und so bleibt oftmals nicht viel hängen. Viele Menschen lernen nur dann nachhaltig, wenn sie die Erfahrung selbst gemacht haben. Etwas selbst zu erleben, macht viel aus und hilft uns dabei, das Gelernte besser zu behalten. So musst du auch keine Schule ersetzen, sollst du auch nicht. Denn das würde wieder Strukturen und Gehorsam bedeuten, was wir vermeiden wollen, damit unsere Kinder entspannt und möglichst viel lernen können. Wenn wir uns an etwas Positives aus der Schulzeit erinnern, sind es oft nur die Spiele und der Spaß den wir mit unseren Mitschülern hatten. Niemand spricht mit Begeisterung davon, was er alles gelernt hat. Ausnahmen gibt es natürlich immer und überall. Dann sind da noch die Kinder, die nicht viel mit anderen anfangen können, oder die, denen alles zu viel ist. Diese Kinder haben in der Schule total verloren und all ihr Potenzial geht flöten.

Wie unsere Kinder frei lernen

Wie stellt man das nun in der Praxis an? Lernt ein Kind wenn, es den ganzen Tag nur spielt? Was ist, wenn es keine Fortschritte macht? Vertraue deinem Kind! Es wird dich nicht enttäuschen. Ein Mensch lernt von Natur aus. Menschen sind neugierige Wesen, vor allem wenn sie noch klein sind. Ein gutes Beispiel sind Babys und Kleinkinder. Hier können wir ganz bewusst wahrnehmen, wie die Sache mit dem Freilernen funktioniert. Laufen, sprechen, essen, das alles lernt ein Kind von selbst. Klar reichen wir unseren Kindern an mancher Stelle die Hand und unterstützen sie, jedoch hat das Kind den inneren Drang das zu können bzw. lernen, was die Großen auch können. Nicht anders sieht die Sache bei unseren größeren Kindern aus. Welches Kind möchte schon hinterher sein? Wir orientieren uns immer an anderen und richten uns nach unserer Umgebung.

freilerner

Ein gutes Beispiel dafür ist unser Lysander. Als wir in Asien unterwegs waren und er mit deutsch nicht sehr weit kam, hat er plötzlich und ohne Vorwarnung angefangen englisch zu sprechen. Etwas, was ihn in Deutschland nie interessiert hat, hat von dem Zeitpunkt an, als er bemerkt hat dass es nötig ist, eine ganz neue Bedeutung bekommen. Nun weiß er, dass es von Vorteil ist, eine Fremdsprache zu lernen. Noch ein Beispiel: Zahlen hat er sich angeeignet, als er unbedingt wissen wollte, wie viel man wovon bei einem Rezept benötigt und weil er wisse wollte, was die Zahlen auf den Autobahnschildern bedeuten. So ist er mittlerweile recht fit im Zahlenraum bis 20 und kann auch schon rechnen. Rechnen hat er zum Teil gelernt, weil es nötig war etwas aufzuteilen. Ebenso verhält es sich mit der Schreiberei. Seinen eigenen Namen schreiben zu können ist für jedes Kind toll – genauso wie wenn man das erste Mal leserlich „Mama“ schreibt und diese sich sehr darüber freut 🙂

Individualität ohne Konkurrenzkampf

Freilernen bedeutet für unsere Kinder, dass sie ohne Leistungsdruck und Zwang lernen können. Ohne jemanden der mit erhobenem Zeigefinger dahinter steht, der mir in meiner Schulzeit den ein oder anderen Schweißausbruch beschert hat. So stellen wir sicher, dass sich unsere Kinder völlig frei und natürlich entfalten können, ohne fremden Zielen hinterher zu eifern. Sie müssen nicht befürchten beeinflusst, be- oder verurteilt zu werden, geschweige denn in Form gepresst zu werden. Sie haben die Möglichkeit ihre Vorlieben zu entdecken und werden nicht über ihre Leistung definiert. Ist es nicht das, was wir uns für unsere Kinder wünschen?

Jeder kann alles!

Wir alle sind in der Lage alles zu können worauf wir Lust haben. Es ist schwer, selbst auferlegte Ketten zu sprengen und über den Tellerrand zu schauen, bekommen wir doch jahrelang etwas anderes eingetrichtert. Wir müssen nichts und können alles. Frei von Gesellschaftsnormen zu sein beginnt im Kopf. Wenn wir uns dort frei machen, steht uns nichts mehr im Weg. Genau das wollen wir unseren Kindern mit auf den Weg geben, um das bestmögliche aus ihnen heraus zu holen.

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Comments

Kommentare

5 Kommentare

  1. Wie gerne hätte ich den Mut meinem Kind aus zu ermöglichen. Leider fehlt er mir…

    • Liebe Steffi,

      wenn du Hilfe brauchst, das deinem Kind wirklich ernsthaft ermöglichen willst und auch bereit bist, einiges dafür aufzugeben, darfst du uns gerne persönlich anschreiben!

      Alles Liebe,
      Nadine

  2. Das sind auch Themen, welche mich sehr interessieren. Zurzeit wohnen wir noch in Deutschland, leider ist hier die Schulpflicht.
    Und es ist für jede Kinderseele eine Zumutung gezwungen zu sein, dort hin zu gehen.
    Ich möchte auswandern, ich habe aber noch keinen genauen Plan.
    Habt ihr gute Adressen, wo man in Portugal Mietshäuser oder Wohnung günstig mieten kann?

    Liebe Grüße,
    Firella

    • Hallo liebe Firella,

      es gibt viele Möglichkeiten 🙂 Schau doch mal unseren Beitrag zu den günstigen Unterkünften an, vielleicht ist da ja etwas für dich dabei? Wenn nicht, dann schreib uns doch einmal per Mail an.

      Alles Liebe,
      Nadine

  3. Frei von Gesellschaftsnormen zu sein beginnt im Kopf. Wenn wir uns dort frei machen, steht uns nichts mehr im Weg.
    Außer der Schulpflicht… mal ehrlich, wie macht Ihr das? Mir kam gerade in den Sinn seine Kinder nicht beim Standesamt zu melden aber dann bekommt man auch kein Kindergeld usw , abgesehen davon existieren sie dann in unserem Bürokratiestaat nicht. Keine Option für uns. Wir mussten unseren Ältesten jetzt in der Schule anmelden für nächstes Jahr. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wie man in Deutschland freilernen praktiziert. Danke schonmal für Eure Antwort.

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