Langzeitstillen gibt es nicht – Argumente für das lange Stillen!

Langzeitstillen gibt es nicht – für uns völlig klar und absolut normal. Vor ein paar Tagen habe ich ein Bild bei Instagram hochgeladen, das mich beim Stillem meiner mittlerweile über 2-Jährigen Tochter zeigt. Wir beide waren total entspannt und mein Mädchen ist dann friedlich an meiner Brust eingeschlafen. Für uns ist das jedes Mal wunderschön und ich liebe es, wenn sich ihr kleiner Körper von der Anspannung löst und sie schließlich in meinem Arm eingeschlafen ist. Ich kann es mir gar nicht anders vorstellen und wir werden das so lange fortführen, wie es uns beiden gut tut und wir das wollen. Ich kann es mir auch gut vorstellen, sie mit 3-4 Jahren noch immer in den Schlaf zu stillen.

Anlass für diesen Artikel ist das Instagram Bild, welches mir unschöne private Nachrichten beschert hatte. Auf den Inhalt will ich gar nicht eingehen, das würde nur bestärken. Stattdessen möchte ich noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass Langzeitstillen nicht existiert.

Langzeitstillen gibt es nicht!

Noch immer ist es nicht jedem klar, dass es Langzeitstillen gar nicht gibt. Das biologische Abstillalter liegt zwischen 2-3 und 6 Jahren und hängt laut Herbert Renz-Polster sowie der amerikanischen Anthropologin Katherine Dettwyler vom sozialen Umfeld, den Arbeitsbedingungen der Mutter und auch vom Nahrungsumfeld ab. Nicht zu vergessen die jeweiligen Traditionen! Und auch die Väter haben Einfluss auf die Dauer des Stillens. Bei uns im Westen haben leider die Medien ebenfalls einen großen Einfluss, was viele Mütter verunsichert und zu früh abstillen lässt. Ärzte tragen ebenso dazu bei, indem sie jungen Müttern raten, doch bereits mit 4 Monaten mit der Beikost zu starten. Dabei wird Beikost immer falsch verstanden (auch von den Ärzten) und oft werden die kleinen Babys bereits mit 6 Monaten komplett abgestillt.

Es wird zu gerne vergessen, dass es beim Stillen nicht nur um die pure Nahrungsaufnahme geht, sondern ebenso um Nähe und Geborgenheit. Man kann es nicht oft genug erwähnen und in die Welt hinaustragen! Viele Mütter praktizieren es zwar, sind jedoch aufgrund des kritischen Umfelds total verunsichert und haben Angst zuzugeben, dass sie „Langzeitstillen“.

Andere Kultur – andere Zeit – andere Welt

Meine wunderbare Oma, so lieb und toll sie auch war, hat ihre Kinder leider nur 4 Wochen – plus minus – gestillt. Der Grund war, dass damals die Säuglingsnahrung dermaßen propagiert wurde, dass die Mütter dachten, sie tun ihren Kindern etwas Schlechtes, wenn sie stillen. Fast alle Mütter kennen die anfänglichen Stillprobleme. Man muss sich aufeinander einstellen, es ist eine völlig neue Situation für Mutter und Kind, da kommt es schon einmal zu Komplikationen. Diese Tatsache wurde von den Herstellern extrem ausgenutzt und auch die Ärzte waren schnell mit an Bord. Meine Oma dachte immer, ihre Milch reicht nicht aus oder sei zu dünn. Das ist das, was man ihr gesagt hatte. Sie hatte den Ärzten blind vertraut und immer gesagt, sie hätte doch so gerne gestillt.

Wäre sie in einem anderen Kulturkreis geboren, wäre es womöglich anders gelaufen. Es gibt Kulturen, da hat sich seit Jahrtausenden nichts geändert und die Menschen sind wahrhaftig glücklich. Langzeitstillen ist dort gar keine Frage, sondern das Normalste der Welt. Unsere Gesellschaft ist so schnelllebig, dass sich Fakten innerhalb eines Jahres ändern können. Und wir Menschen vertrauen meist grundsätzlich auf den Rat von Experten, die wir nicht einmal kennen. Wir handeln dann gegen unser Inneres, gegen unsere Intuition, die uns eigentlich niemals fehlleitet. Werbeexperten wissen, wie man mit Gefühlen spielt und so wurden wir beim Thema Stillen in 2 Lager gespalten. Wo es doch keine geben sollte. Lasst uns doch einmal daran denken, dass wir alle Mütter sind und immer nur Gutes für unsere Kinder wollen!

Die gängige Sichtweise muss hinterfragt werden!

Argumente für das lange Stillen

Langzeitstillen gibt es nicht, da muss es doch auch einige ausschlaggebende Argumente geben – die gibt es und man kann sie nicht oft genug erwähnen!

  1. Muttermilch schützt vor Krankheitserregern- Lysozym zum Beispiel, ist ein nützliches Enzym gegen Bakterien, das in der Muttermilch eines 18 – 24 Monate alten Kindes in erhöhter Konzentration vorkommt. Dann, wenn das Kind so richtig mobil ist und seine Umwelt mit allen Sinnen erfahren möchte. Macht Sinn oder? (War bei unserem Asienaufenthalt ein wichtiger Punkt. Unsere Kleine war gerade 18 Monate alt und musste dringend alles mit ihrer Zunge erkunden). Kinder die lange gestillt werden, sind weniger häufig krank. Weitere Fakten über die Zusammensetzung und den damit verbundenen positiven Effekt bei Krankheiten findet ihr hier.
  2. Auch im zweiten oder dritten Lebensjahr wird noch immer ein beachtlicher Teil der Vitamin-und Mineralstoffzufuhr über das Stillen gedeckt. Entgegen der Meinung (es ist NUR eine Meinung!) vieler Ärzte, die behaupten, die Muttermilch enthalte nach dem 6. Monat nichts mehr und sei nur ein besseres Wasser um den Durst zu stillen. Das entspricht definitiv nicht der Wahrheit, wie viele Studien und der Gesundheitszustand der betroffenen Kinder beweisen. Ein Vorteil, wenn die Kinder Obst und Gemüse verweigern 😉 Zudem sind die Nährstoffe aus der Muttermilch besser verwertbar, als jene aus fester Nahrung (was nicht bedeutet, dass diese weniger wichtig wären!)
  3. Stillen reduziert Stress. Nicht nur beim Kind, sondern auch bei der stillenden Mutter. Beim Stillen sinken Blutdruck, sowie Cortisolwerte, was langfristig Stress reduziert. Verglichen mit nicht stillenden Müttern, sind die stillenden Mütter tendenziell ruhiger und ausgeglichener, was sich ebenfalls auf das Sozialverhalten der Mutter auswirkt. Dabei gilt, je länger desto besser.
  4. Länger gestillte Babys und Kinder zeigen eine bessere neurologische Entwicklung, das Risiko an Allergien zu erkranken sinkt mit jedem Monat, Entwicklungsstörungen treten weniger häufig auf, sie weisen eine verbesserte Dentition auf und sind im späteren Leben weniger verhaltensauffällig. Sie leiden ebenso weniger an chronischen Erkrankungen wie Adipositas oder Diabetes.
  5. Es ist völlig normal! Wie viele Kinder nutzen mit 4 Jahren noch immer einen Schnuller? Und bei wie vielen Kindern gestaltet sich die Entwöhnung als äußerst schwierig? Der Sauginstinkt ist noch immer vorhanden, und wenn es nicht normal wäre, hätte die Natur es so eingerichtet, dass der Sauginstinkt ab einem gewissen Alter nicht mehr vorhanden wäre.
  6. Gesundheitliche Vorteile für die Mutter: Das Brustkrebs-, Gebärmutterhals-, und Eierstockkrebs sinkt mit der Stilldauer. Je länger gestillt wird, desto geringer ist das Risiko! Doch das gilt nicht nur für Krebs, es trifft auch auf zahlreiche andere Erkrankungen zu.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund

– dein Kind zu früh abzustillen. Die viel genannten psychischen Schäden sind absoluter Unsinn und wurden bereits – unter anderem von der American Academy of Pediatrics wiederlegt. Einzig der gesellschaftliche Druck kann unserer Psyche zusetzen und uns diesbezüglich verunsichern! Alle Mütter, die ihre Kinder über das erste oder zweite Jahr hinaus stillen, haben das Gefühl, es richtig zu machen. Unser ganz natürlicher Instinkt sagt uns, es ist gut so. Und im Zweifel sollte man immer auf sein Inneres hören, unser Bauchgefühl täuscht uns selten. Verglichen mit anderen Kulturen, da sind wir in der westlichen Welt allgemein kein gutes Beispiel, sind lange gestillte Kinder deutlich selbstständiger und ausgeglichener – nachzulesen bei Renz-Polster und Katherine Dettwyler.

Sexualisierung der weiblichen Brust – um einmal kurz darauf einzugehen

Die Sexualisierung der weiblichen Brust spielt leider noch immer eine viel zu große Rolle. Nicht selten liest man in sozialen Netzwerken, dass Mütter eines Cafés oder anderen öffentlichen Plätzen verwiesen wurden, weil sie ihr Kind in der Öffentlichkeit gestillt haben. Wir haben die weibliche Brust sexualisiert und sollten unsere Einstellung diesbezüglich dringend ändern. Entgegen der „Meinung“, die Brust „gehöre“ dem Mann, muss man sich fragen, wozu wir sie denn überhaupt haben? Ganz ehrlich, ich kann es nicht verstehen! Ich kann es kein bisschen nachvollziehen, dass man tatsächlich denkt, Brüste seinen für den Mann gemacht worden. Warum haben wir überhaupt die Fähigkeit zu stillen? Für die Männer wohl eher nicht. Wir stören uns an einer stillenden Frau, einer Frau die ihr Kind (unsere Zukunft!) ernährt, doch nicht an den riesigen Plakaten mit halb nackten Frauen – was sagt das über unsere Gesellschaft aus?

Interessant ist auch die Tatsache, dass wir es akzeptieren, wenn man ein weinendes Baby/Kind mit dem Schnuller abspeist, doch große Aufregung herrscht, wenn wir unsere Brust auspacken. Und mal ehrlich: Welche Mutter macht sich halb nackt um ihr Kind zu stillen? Jede Fernsehwerbung und jedes Musikvideo zeigt Schlimmeres.

Die Arbeit ruft

Laut offiziellen Zahlen stillen lediglich 2 Prozent aller deutschen Mütter ihre Kinder über das zweite Lebensjahr hinaus. Einer der Hauptgründe, warum abgestillt wird, ist dass wir Frauen auch wieder arbeiten müssen oder auch wollen. Zwar gibt es in Deutschland ein Gesetz, das der Frau das Recht auf bezahlte Stillpausen einräumt, doch das wird in der Realität kaum genutzt. Wer stillt weiß, dass man das schlecht planen kann. Das Kind kommt fast immer in relativ unregelmäßigen Abständen, was sich kaum mit dem Berufsleben vereinbaren lässt. Und auch die Blicke und Sprüche der Kollegen sind nicht immer besonders einfühlsam, wodurch man schnell verunsichert wird und doch lieber abstillt. Tragisch für Mutter und Kind, rentabel für die Wirtschaft. Da muss jeder selbst entscheiden, was einem wichtiger ist.

Ich hoffe, der Artikel hat euch gefallen und ihr seht das Thema in Zukunft etwas kritischer. Hinterlasst uns doch einen Kommentar, und wenn etwas nicht stimmig sein sollte, oder ich etwas vergessen habe, sagt doch bitte bescheid 🙂

Bis dahin – Eure Nadine und der Rest der Ökofamilie

Weiterführende Links zum Thema Langzeitstillen gibt es nicht:

kinder-verstehen.de – Herbert Renz-Polster,

Studie zum Stillen von Kleinkindern in Deutschland,

Wichtige Ergebnisse verschiedener Studien zum Nährstoffgehalt, Prävention bei Krankheiten, Zusammensetzung und die Wichtigkeit für die kindliche Entwicklung

Zusammensetzung der Muttermilch

Empfehlenswerte Bücher zum Thema:

Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt.

Intuitives Stillen: Einfach und entspannt – Dem eigenen Gefühl vertrauen – Die Beziehung zum Baby stärken

Dir gefällts? Sags weiter:Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterPin on PinterestEmail this to someonePrint this page

Comments

Kommentare

11 Kommentare

  1. 17 Monate sind es bei uns. Im 4. Monat wurde ich stark verunsichert von allen Seiten „reicht nicht, zufüttern usw.“ So dass ich dann auch zugefüttert habe und fast keine Milch mehr hatte. Meine Maus hat mir deutlich gezeigt wie sehr sie die Milch und auch meine Nähe benötigt und da hat es klick gemacht. Ich habe auf mein inneres Gehört und ab da an lief es wunderbar. Die Fläschchen wurden weniger und das Ergebnis ist das wir nach wie vor stillen ❤

    • Hallo liebe Nadine,

      seltsam den eigenen Namen zu schreiben 🙂 Total schön, dass du auf dein Kind gehört hast! Es freut mich imm wieder, solche Geschichten zu lesen! Bei vielen läuft es darauf hinaus, dass sie schlußendlich gar nicht mehr stillen und es sehr bereuen.

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  2. Huhu 😉

    Ganz witzig, dass ich den Artikel gerade lese, während der 13 Monate alte kleine oder große Wichtel seine Mittagsruhe an meiner Brust hält ❤ Ihn zu irgendetwas anderem zu zwingen hätte absolut keinen Sinn und schon der Gedanke daran fühlt sich falsch und erdrückend an. Er wird mir zeigen was er braucht.

    Abgesehen davon ist stillen ein so klasse Gefühl. Nachdem unser Körper einen ganzen Menschen „gemacht“ und getragen hat, wir das Wunder der Geburt erleben durften ist unser Körper nun in der Lage die Nahrung für unsere Schätze selbst herzustellen und das ist so einfach und so toll Nutzt das doch. Es ist ein Geschenk.

    Alles liebe …und bis bald

    Kati

    • Halli Kati 🙂

      klein oder groß ist immer so relativ 😉 Eben! Die Kleinen wissen, was sie brauchen. So wie wir eben auch. Angenommen, wir sind müde und wollen schlafen. Jemand anderes sagt uns, quatsch – du brauchst keinen Schlaf. Demjenigen würden wir den Vogel zeigen 😉 Und alle die sich so sehr verunsichern lassen, das ist so schrecklich! Doch man merkt, dass langsam ein Umdenken stattfindet und die Menschen zurück zum Ursprung finden <3 Wir freuen uns auf euch!

      Bis bald,
      Nadine

  3. Hallo Nadine.
    Ich habe mich sehr in dem Beitrag wiedergefunden. Mein kleiner ist 4 und er braucht „seine Titi“ zum einschlafen, manchmal (1 mal in der Woche) in der Nacht, an Tagen, wo ich frei habe auch morgens nach dem Aufwachen. Wir genießen es sehr, das gemütliche, vertraute zum Runterkommen, zum Zuhause sein.

    • Hallo 🙂

      das ist auch ein wunderbares Gefühl, einfach nur zusammen dazuliegen und zu entspannen <3 Und wenn es beiden so gut tut, kann es nicht falsch sein!

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  4. Hallo, ich stille seit 17 Jahren , natürlich nicht ein und dasselbe Kind. Mein Kleinster ist jetzt drei Jahre alt. Liebe Grüße Birgit

    • Hallo liebe Birgit,

      Respekt! 17 Jahre sind eine lange Zeit, deine Kinder können sich glücklich schätzen, dass du das so durchziehst <3

      Alles liebe,
      Nadine

  5. Liebe Nadine,
    ich las eben Deinen Artikel, nachdem ich meine fast Zwei- und Vierjährige wie gewöhnlich in den Schlaf stillte.

    Heute machte ich mir tatsächlich Gedanken, ob das häufige Bitten nach „MuMi“ meiner Großen noch normal wäre. Besonders nach Wutausbrüchen oder wenn ich unter Stress stehe oder mich über etwas sehr ärgere, verlangt sie die Brust. Deine Zeilen taten mir so gut, weil sie mir nochmal in Erinnerung riefen, dass Stillen bei mir selbst wieder für Ruhe sorgt. Diese Wirkung war mir anscheinend nicht halb so bewusst wie meinem großen Mädchen. Jetzt verstehe ich viel besser, weshalb sie „ihre“ Brust verlangt.

    Ich wünsche Dir und Deinem Mädchen, dass ihr eure Stillbeziehung noch ganz lange genießen könnt! <3

    • Liebe Evelin,

      danke für deine bestätigenden Worte! Bei meinem Großen war mir das auch nie so richtig bewusst. Zwar war es dann immer wieder schön, eine Stillpause zu machen, doch wozu das gut war, vor allem wenn er so oft wollte, konnte ich mir damals noch nicht vorstellen. Toll, dass es anderen auch so geht wie mir <3 Wir müssen die Zeit unbedingt genießen, es kann doch schneller vorbei sein als man denkt und man wünscht sich diese schönen Momente wieder zurück 🙂

      Alles Liebe,
      Nadine

  6. Ach wie schön, Nadine, wie Du es sagst: Man kann es gar nicht oft genug sagen. 🙂 Es ist so toll und wichtig, diese Informationen immer und immer wieder auf den Tisch zu legen, damit es auch der letzte Zweifler endlich versteht: Stillen ist NATÜRLICH! Egal, wie alt das Kind ist. Stattdessen verstecken wir uns in unseren vier Wänden, was immer schlimmer wird, je älter unser Kind wird. Mein Sohn ist 2 Jahre alt und wir stillen gerne und viel. Wenn auch nicht so gerne in der Öffentlichkeit, da ich mit Kritik nicht so sehr gut umgehen kann. Mamis könnten sich passende Antworten parat halten, die zu ihnen passen, und die sie raushauen können, wenn doofe Kommentare kommen. Hab lieben Dank für Deine Zusammenfassung! Alles Liebe, Deine Jenniffer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Kongresse bei denen wir dabei sein durften:

    Bedürfnisorientiert Aufwachsen! Familien Weltreise Kongress!