Meine Kinder unterrichten? Das könnte ich nicht!

Schule mit Regenbogen, Spielplatz

Wenn wir den Menschen um uns herum erzählen, dass wir unsere Kinder nicht in die Schule schicken (bzw. zwingen in die Schule zu gehen) werden, kommt postwendend immer dieselbe Frage: „Wie macht ihr das? Ich könnte das nicht. Ich wüsste nicht einmal wo ich anfangen soll“. Warum wir uns für das Freilernen entschieden haben. Ein Bericht über das Freilernen am Beispiel unserer Tochter Xena.

Seite ein paar Jahren unterrichten wir unsere Kinder zu Hause. Dies geschah nach einer Mischung aus Mobbing und diversen anderen Problemen unserer Tochter Xena an ihrer Schule. Zudem könnten wir unsere Lebensweise (mobil und unterwegs) natürlich gar nicht verwirklichen, würden unsere Kinder in eine „normale“ Schule gehen. Aber dies war nicht der ursprüngliche Grund warum wir uns für das Freilernen entschieden haben. Wir fanden zuerst heraus, dass sie einen Platz in einer Schule mit schlechtem Ruf erhalten hatte. Wir waren einfach irgendwann nicht mehr bereit unsere Tochte in die Schule in der sie eben leider gemobbt wurde, gehen zu lassen, und so begannen wir mit der Suche nach Informationen zum Thema Freilernen, um vor einiger Zeitmit dem Freilernen zu beginnen.

Aber erst mal zurück zu den Anfängen. Alles begann so: Eines Tages weinte Xena, weil sie wieder einmal einer Lehrerin von den Problemen mit bestimmten Mädchen erzählt hatte, und die Lehrerin bat alle beteiligten Kinder zu einem Gespräch. Unsere Tochter hatte Angst – in den Augen der anderen Kinder war sie „besonders“ und „ungewöhnlich“ und das konnten die anderen offensichtlich nicht tolerieren. Unser Lebensstil, der damals bereits recht von der Öko- bzw. biobewegung inspiriert war und der vegan und nachhaltig war, war den anderen offensichtlich ein Dorn im Auge. Und so haben wir beschlossen, dass sie nicht in die Schule zurückkehren würde. Xena war extrem froh und glücklich über diese Entscheidung, die wir mit ihr gemeinsam getroffen hatten. Wir haben sie bis jetzt zwei Jahre lang zu Hause unterrichtet. Das erste Jahr war autonom. Wir haben keinen bestimmten Lehrplan oder irgendetwas befolgt. Sie wählte Themen aus, um etwas darüber zu erfahren, und arbeitete dann daran.

Das zweite Jahr war strukturierter, was mir sehr viel lieber war. Da ich einen Bruder hatte, der etwas älter war als ich, übernahm ich die Lehrbücher, die er im Jahr zuvor benutzt hatte, und Xena folgte ziemlich genau dem Lehrplan, den er gemacht hatte. Ein Großteil meiner Zeit verbrachte ich damit, zu recherchieren, zu planen und Unterrichtsstunden für sie zu arrangieren. Xena hatte zu Beginn des Freilernens manchmal Sorgen, dass sie nicht auf dem gleichen Niveau wie ihre Altersgenossen sein würde, aber sie hätte sich keine Sorgen machen müssen, da sie sie weit übertroffen hat. Wann immer wir mit Gleichaltrigen zusammen kamen, die in eine „normale“ Schule gingen, verglichen wir ihren Wissensstand mit dem der anderen und ich muss sagen, dass Xena in den meisten Fällen deutlich mehr wusste als ihre Freunde und Freundinnen, mit denen wir die Vergleiche anstellten.

Die Schulen scheinen darauf aus zu sein, kleine Roboter zu schaffen, Test für Test Einheitsgrößen zu definieren, die für alle geeignet sind. Aber das kann nicht funktionieren. Niemand kann Millionen von Kindern dasselbe auf dieselbe Art und Weise gleichzeitig beibringen. Die Schulen können das Wissen nicht in die Köpfe der Kinder hämmern, sie versuchen es aber immer wieder. Und da kleine, versklavte Roboter nun mal wesentlich schlechter lernen als freie Kinder, ist es nur klar, dass unsere Xena (wie jedes Kind das sich individuell entwickeln darf.) natürlich leichter und schneller lernte als ihre Freund/innen.

Frank und ich waren glücklich, die Betreuung unserer Kinder (Michael folgte Xena beim Freilernen relativ bald) an Lehrer zu übergeben, die nur den Druck hatten, Ziele zu erreichen, da es nicht darum geht, Kinder zu unterrichten. Ich beschuldige die Lehrer nicht. Sie haben einen extrem schwierigen Job mit scheinbar wenig Unterstützung. Im Gegenteil: Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Regierung dafür verantwortlich ist, dass das Bildungssystem zusammenbricht. Ich denke, es geht eher darum, ihre zukünftigen Wähler von früh an als möglich in die Produktion zu drängen, sei es in einem Kindergarten oder in der Senkung des Schulpflichtalters oder in Kindertagesstätten und Einrichtungen, die es den Eltern ermöglichen, zu arbeiten oder eine Pause zu machen.

Ich finde, der Schultag ist für arme, kleine Vier- und Fünfjährige viel zu lang. Xena und michael waren immer müde, als sie noch in der „normalen“ Schule waren und am Nachmittag endlich nach Hause kamen. Sie waren unglücklich, und es schien keine gute Zeit mehr für die Familie zu geben. Sie wollten nicht darüber sprechen, was sie getan hatten, was sie gelernt hatten, was die anderen Kinder getan hatten. Die Konversation bestand damals eher aus Antworten mit einzelnen Wörtern oder sogar aus Satzbausteinen, weil sie so müde waren. Heute ist das komplett anders. Beide Kinder sprudeln vor Kreativität und sind begeistert neue Dinge zu lernen. Sie teilen sich gerne und viel mit und wir reden sehr viel miteinander. Auch über das was sie lernen dürfen.

Im Grunde ist das Problem sehr einfach erklärt: Es geht nur darum, dass die Schulen Geld bekommen, die Lehrer ihre 20 oder 25 Stunden absitzen und dass die Lehrpläe erfüllt werden. Solange ein Kind die richtige Note erhält, ist es in Ordnung. Es ist egal, ob das Kind versteht, was es lernt, denn nächste Woche muss es ohnehin ein „x“ – Thema abdecken, aber in dieser Woche muss es „y“ lernen. Wie gesagt: Die „normale“ Schule erzieht Kinder zu kleinen Robotern, die kritiklos zu allem ja und Amen sagen.

Zu Beginn – als wir mit dem Freilernen begonnen hatten – dachten wir, es würde sehr schwer werden. aber ketzt, nach mehreren Jahren mit Xena und michael, sind wir überzeugt: Wir können das und andere Eltern können das auch. Ihr müsst nur in das kalte Wasser springen und euch trauen. Der Rest kommt dann ganz von selbst.