Wie wir mit 2 Kindern minimalistisch leben – Unser Weg!

Schon vor langer Zeit, als wir noch keine Kinder hatten, haben wir den Minimalismus total gelebt. Damals gab es noch keinen Ausdruck dafür und als Lebensstil haben wir das auch nicht wahrgenommen. Es war vielmehr so, dass wir uns nicht mehr leisten konnten. Wir hatten ein Zimmer, ein Bett, einen Schrank, eine Gitarre und einen Computer. Mehr ging nicht, da wir sonst ein enormes Platzproblem bekommen hätten, wobei geld-technisch auch nicht mehr drin war. Damals war es uns völlig egal, wir waren glücklich mit dem was wir hatten und haben uns keine Gedanken darüber gemacht, ob wir mehr brauchen oder nicht. Alles war gut.

Bis zu dem Tag, an dem sich unser Lysander angekündigt hat. Plötzlich war da ein Kind. Alle um uns herum und auch wir selbst dachten: Jetzt muss eine komplett ausgestattete Wohnung her! Welch ein fataler Fehler das war, konnten wir zu dem Zeitpunkt nicht ahnen. Wir wussten nicht, dass wir uns mit dem wenigen was wir besaßen so glücklich hätten schätzen können.

Zuerst kam eine kleine Wohnung und dann eine größere. Wir hatten so viel Platz, dass das Putzen und Ordnung halten eine enorme Herausforderung war und wir oft nur gestresst zu Hause saßen, weil man nach der täglichen Putzaktion keinen Bock mehr hatte, irgendetwas zu starten. Dann war da noch unsere Hündin, die für ordentlich Schmutz gesorgt hatte und weil ich einen üblen Hygiene-Spleen hatte, war ich nur am sauber machen.

Das musste ein Ende haben. Also sind wir kurzer Hand in eine kleinere Wohnung gezogen und haben ordentlich ausgemistet, weggeworfen und verkauft. Zunächst war es eine große Erleichterung für uns, weniger Ordnung halten zu müssen. Aber irgendwie war es doch noch dasselbe. Weniger Platz, weniger Besitz und trotzdem von beidem noch zu viel. Sobald der Alltag nach dem Umzug wieder los ging und das Neue seinen Reiz verloren hatte, kam schnell wieder die Null-Bock Einstellung, wenn es um die üblichen Dinge ging. Denn der Rahmen bleibt derselbe, auch wenn man deutlich weniger Platz hat und besitzt!

Minimalismus total!

Vor ein paar Monaten haben wir dann einen Entschluss gefasst, den wir seither nicht eine Sekunde bereut haben. Wir haben all unseren Besitz verschenkt, verkauft, gespendet und weggeworfen was nicht mehr zu gebrauchen war. Was wir jetzt noch haben, passt alles in 2 Rucksäcke, inklusive Spielsachen 😉 Anfangs ist es ein komisches Gefühl. Man überlegt 10 Mal, ob man etwas noch benötigt oder nicht. Sobald es aber fort ist, gewöhnt man sich schnell daran und ist froh, gewisse Dinge nicht mehr sein Eigen zu nennen!

Passen Kinder und Minimalismus zusammen?

Die Frage überhaupt: Was sagen denn die Kinder dazu? Aurelia ist noch zu klein. Sie spielt sowieso lediglich mit Alltagsgegenständen und ein bis drei Lieblingsspielsachen. Wir hatten ein ganzes Zimmer vollgestopft mit allem was man kaufen kann. Letzten Endes sah es in der Realität so aus, dass vor allem Lysander ausschließlich bei uns im Wohnzimmer gespielt hat und das ebenfalls immer nur mit ein bis drei Liebelingsspielsachen. Wozu also ein ganzes Zimmer? Geschlafen wird im Familienbett, also fällt das auch weg. Irgendwann haben wir realisiert, dass ein Kinderzimmer völliger Quatsch ist. Für unsere Kinder wohlgemerkt 😉 Zugegeben wollte Lysander anfangs nichts abgeben oder gar verkaufen. Nach kurzer Zeit war es dann aber okay, er hat es verstanden und er hat selbst aussortiert und gerne gespendet. Und jetzt, nach unserer Reise nach Asien, wo er live miterlebt hat, mit was die Kinder in Kambodscha spielen, ist es noch einmal anders. Die besten Spielsachen sind sowieso die Dinge, mit denen sich auch die Erwachsenen beschäftigen. Im Grunde genommen braucht es kein Spielzeug, ein paar Dinge sind wirklich völlig ausreichend. Seit wir keine Wohnung mehr haben, kommt keine Langeweile mehr auf und unsere Kinder sind definitiv ausgeglichener. Woher das kommt?

Mehr Zeit für die Familie – mehr Zeit für sich!

Einer der positiven Effekte, die der Minimalismus mit sich bringt ist die viele Zeit die man nun mehr zur Verfügung hat. Das Leben wird entspannter, wir selbst werden entspannter und das spüren auch unsere Kinder. Das Verhältnis verbessert sich, da man nun mehr Zeit für die Familie hat. Wer will das nicht? Alles fühlt sich leichter und lockerer an. Man hat nicht mehr ganz so viele Verpflichtungen, was deutlich entlastet. Das bekommen alle Familienmitglieder zu spüren und die allgemeine Stimmung verbessert sich um ein Vielfaches. Da wir nun auch mehr Zeit für uns selbst haben, die wir vorher mit Haushalt und anderen unangenehmen Erledigungen verbracht haben, werden wir glücklicher und einfach freier. Das Leben ist schön!

Also JA! – Kinder bzw. Familie und Minimalismus passen perfekt zueinander. Auch wenn sich so manche(r) unter euch nicht vorstellen kann, einen solchen Schritt tatsächlich zu gehen, können wir euch nur ans Herz legen, es einfach einmal zu testen. Man muss ja nicht gleich alles aufgeben 🙂

Bis dahin – Eure Ökofamilie

 

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Comments

Kommentare

12 Kommentare

  1. Ich bin beeindruckt , zu so einem großem Schritt fehlt mir der Mut . Unsere geht hier im Dorf in die Schule . Aber ich werde mir bestimmt das ein oder andere bei euch abschauen . Bin schon sehr gespannt Liebe Grüße Kati von wandlungsphase

    • Hallo liebe Kati,

      Man muss es nicht immer gleich so radikal machen wie wir 🙂 Für uns ist es einfach das Richtige und wir fühlen uns total wohl damit. Ich hoffe doch andere ein wenig zu inspirieren, da uns am Anfang auch der Mut gefehlt hat! Es war nicht immer einfach und manchmal wirklich anstrengend 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  2. Hallo, find ich toll wie ihr lebt! Vielen Dank für die vielen Inspirationen. Aber hab ich richtig gelesen, dass ihr keine Wohnung habt? Wie und wo lebt ihr denn? Ich wünsche euch eine fröhliche Woche! Liebe Grüße, Dani

    • Hallo liebe Dani 🙂

      erst einmal danke für deine lieben Worte <3
      Ja wir haben jetzt keine Wohnung mehr - das schockiert vielleicht ein wenig, aber wir fühlen uns so wohl wie noch nie zuvor. Wir leben nun in unserem Wohnmobil, ein tolles Teil und für die Kinder Abenteuer pur 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Nadine

  3. Liebe Nadine, am Anfang des Textes war ich interessiert. Im Laufe des Lesens merkte ich, wie ein „Das will ich auch: Alles loslassen und mit quasi nichts noch einmal beginnen.“ Dann überkam mich eine gewisse Traurigkeit, da mein Mann nicht mitziehen wird. Er ist gefangen in der Konsumierung. Das neuste Handy, ein noch größerer Fernseher…. Ich würde so gerne alles loslassen. Aber ohne meinen Mann will ich auch nicht sein. Hast du einen Tipp, wie man das verbindet?

    wir haben Tonnen von Spielsachen, die Emil kaum ansieht und es wird immer mehr. Ich will das eigentlich gar nicht. Aber was tun, wenn
    jeder etwas mitbringt, der nur mal hallo sagt. Nicht zu sprechen von der Qualität der Spielsachen. Made in China. Super Plastik.

    Kinder brauchen definitiv nicht so viele Spielsachen. Unser Emil spielt am liebsten mit den Küchengeräten. Das reicht vollkommen. Geben wir ihnen Liebe, Zuwendung, Aufmerksamkeit und sind achtsam mit ihnen und ihren Gefühlen. Geborgenheit nicht zu vergessen. Zeit ist überhaupt das, was sie vor allem brauchen. Zeit mit uns. Wenn sie die Wahl hätten zw Tonnen von Spielsachen oder Zeit mit uns ohne Spielsachen, sie würden IMMER uns wählen!! Danke für die Einblicke in euer Leben, Nadine! Deine Jenniffer

    • Hallo liebe Jennifer,

      es ist wirklich schwer, wenn der Partner nicht mitzieht. Bei uns war ich es, die gerne Fernseher, Handy und Co immer auf dem neuesten Stand haben wollte. Mein Mann hat alles immer sehr gelassen gesehen und wir haben immer wieder darüber gesprochen. Was mich schlußendlich umgestimmt hat, war, dass wir uns vor 5 Jahren schon einmal ein Wohnmobil gekauft hatten und wir trotz Wohnung eher im Mobil gelebt haben, weil ich gemerkt habe, dass es einfacher ist. Ungefähr 1,5 Jahre später hatten wir dann eine kleinere Wohnung 🙂 Ich denke, man muss es erst selbst erlebt haben, dass man ohne viel Schnick-Schnack leben kann. Ansonsten bleibt es immer beim Alten. Das ist dann wie bei Kindern, die erst einmal Feuer anfassen müssen, um zu wissen dass es heiß ist 😉
      Wir hatten auch soo viele Spielsachen, das war der asbolute Horror. Wirklich jeder will den Kindern etwas schenken, was ja auch schön ist, aber wir sind dann dazu übergegangen, den Leuten zu erklären, dass gemeinsam verbrachte Zeit viel mehr Wert ist. Das kam erst einmal nicht so gut an, wurde aber dann verstanden. Wenn man dem Kind etwas schenken möchte, dann einen Spielplatzbesuch, Museum oä. Das klappt jetzt auch ganz gut. Wie du sagst, sie wählen immer uns!

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  4. Hallo, wir sind gerade praktisch am Startpunkt. Wir werden Ende des Jahres zum ersten mal Eltern und wollen nächstes Jahr ein Wohnmobil oder Wagen beziehen.

    Was mir als erstes durch den Kopf ging, als ich gelesen habe, dass bei euch alles in zwei Rucksäcke passt war: wickelt ihr eure Kinder und wenn ja, wie?

    • Hallo liebe Melanie,

      wir wickeln unsere Kinder gar nicht 😀 Wir ziehen sie ohne Windeln groß, was manchmal etwas mehr Wäsche bedeutet, aber im Gegenzug lernen sie es schneller, haben ein besseres Körpergefühl und die Umweltbelastung ist geringer. Für uns passt das wunderbar, ich kann es aber auch verstehen, wenn es jemandem zu viel ist. Vor allem nachdem unsere Aurelia zur Welt kam, war es doch ein wenig anstrengend, aber es ging 🙂 Und nun im Wohnmobil, sind wir sowieso meist draußen, da kann sie pinkeln wo sie möchte 😛

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  5. Hallo Nadine,

    Ich finde eure Lebenseinstellung total toll, würde auch gern zu mehr minimalismus übergehen, doch so ohne festen Wohnsitz kann ich mir das nicht vorstellen, aber ich fange an, im Haus zu minimalisieren und es ist so ein befreiende Gefühl, nur noch das zu haben, was man wirklich auch nutzt….

    Wie macht ihr das mit Post Verkehr, wo seid ihr polizeilich gemeldet, ist ja nun mal ein must have in Deutschland!!!
    Wo landet eure Post, wie verdient ihr euren Lebensunterhalt ect. pp

    LG Katja

    • Hallo liebe Katja,

      Da hast du absolut recht, es ist sehr befreiend nur noch Dinge um sich zu haben, mit denen man aktiv etwas anfangen kann. Unsere Post kommt zu Verwandten und wir werden uns demnächst komplett aus Deutschland abmelden, sind es teilweise schon 😉 Man muss nicht zwangsläufig irgendwo gemeldet sein, allerdings muss man in dem Fall alle 3 Monate das Land verlassen. Im Moment sind wir auf der Suche nach einer Möglichkeit unser Geld unabhängig zu verdienen. Das ist nicht einfach, aber es gibt Möglichkeiten. Sobald wir etwas gefunden haben, wovon man gut leben kann, werden wir hier darüber berichten 🙂 Da sich alles in der Testphase befindet, möchte ich da noch keine konkreten Angaben machen, da man sich auch einmal täuschen kann.

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  6. Liebe Nadine,
    das ist wirklich klasse, diesen Schritt zu gehen. Darf ich fragen, wie ihr euren Lebensunterhalt bestreitet? Ich denke, das ist bei vielen auch das Problem, dass sie einen festen Arbeitsplatz haben und daher nicht weg können….

    • Hallo 🙂

      darauf werde ich spätesten nächstes Jahr genauer eingehen. Da wir zur Zeit selbst noch verschiedenes testen
      und im Prinzip noch von Ersparnissen leben, möchte ich dazu noch nichts genaues sagen. Erst wenn ich sicher
      weiß, dass unsere Methoden funktionieren. Das größte Problem ist immer das Geld, doch es gibt Mittel und
      Wege, wie man ohne viel Geld zurechtkommt, oder ortsunabhängig arbeiten kann. Wenn man beides zusammennimmt,
      kann man gut davon leben, sogar mit einem Mehrwert für alle Beteiligten 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

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