Natürlich(es) Baby – #Vom Stillen zur Beikost (Baby Led Weaning)

Baby Led Weaning ist eine Alternative um die Beikost einzuführen – ganz ohne Brei. Neu ist das nicht, sondern eigentlich das, was der Mensch instinktiv so oder so irgendwann automatisch tun würde. Doch da wir in unserer zivilisierten Welt unsere eigenen Fähigkeiten und vor allem unsere Intuition absolut unterschätzen, vertrauen wir in derartigen Dingen Fachpersonal, welches allerdings nicht immer weiß, was wirklich gut für unsere Kinder ist. Im Gegenteil. Würde es nach unseren Ärzten gehen (die fast alle nichts von Ernährung verstehen!) würden unsere Babys mit 6 Monaten abgestillt werden und stattdessen Brei bekommen.

Das ist natürlich absoluter Unsinn. Selbst die WHO empfiehlt mindestens 6 Monate voll zu stillen und allgemein bis zum zweiten Lebensjahr. Beim Baby Led Weaning (kurz BLW) überlässt man seinem Baby selbst die Entscheidung, wann es mit fester Nahrung beginnen möchte. Dabei wird die Beikost nicht als Ersatz für die Muttermilch verstanden, sondern als das was es ist: Beikost. Kleine Snacks neben dem Stillen, die ganz langsam die Muttermilch zunehmend ersetzen, jedoch anfangs nur zum Erkunden der Nahrung gedacht sind. Das Baby bekommt weiterhin alle wichtigen Nährstoffe über die Muttermilch.

Nach Bedarf stillen und nach Bedarf essen

In der Regel wird es von uns Eltern fremdbestimmt, wann, was und wie viel unsere Babys essen. Dabei können Babys das sehr gut selbst entscheiden. Genauso wie wir ihnen das Gespür für ihre Ausscheidungen absprechen, gehen wir davon aus, dass sie nicht wissen, wann sie mit fester Nahrung beginnen sollen, bzw. gehen wir sogar davon aus, wir müssten die Menge an zugeführter Nahrung regulieren. Wenn ein Baby bereits nach Bedarf gestillt wird, doch dann plötzlich jemand anderes (für gewöhnlich die Mutter) entscheidet, wie viel es essen soll, kann das irritierend sein und völlig am Ziel vorbeischießen. Bei BLW essen die Kleinen von Anfang an am Familientisch mit und bekommen das, was die anderen auch essen – allerdings in Form von mundgerechten Stücken und gegebenenfalls ohne Gewürze.

baby led weaning stillen beikost

Der Übergang vom reinen Stillen zu Baby Led Weaning ist meist sehr sanft und die Eltern machen keinen Druck. Das Baby muss also nicht vom einen auf den anderen Tag essen, sondern darf nach und nach unsere Nahrungsmittel kennenlernen. In seinem eigenen Tempo. Die Muttermilch bleibt in dem Fall aber das Hauptnahrungsmittel und die Menge wird auch nicht künstlich gedrosselt, damit das Kind mehr isst. Es soll für alle Beteiligten entspannt bleiben und dem Baby soll das Entdecken der festen Nahrung Spaß machen. Das Baby wird automatisch von selbst die Milchmahlzeiten reduzieren, bis es die Milch irgendwann nicht mehr als Hauptnahrungsquelle benötigt. Das kann durchaus 1 Jahr und auch deutlich länger andauern.

Baby Led Weaning – Essen lernen ohne Zwang

Das Baby will einfach nicht essen. Immer wieder schiebt es den Brei wieder aus dem Mund heraus oder verweigert diesen sogar komplett. Verunsicherte Mütter machen sich Sorgen, weil ihr 4 Monate altes Baby noch nichts essen möchte, obwohl es doch langsam Zeit wird? Eigentlich nicht. Dabei handelt es sich um einen Reflex, den sogenannten Zungenstreckreflex. Dieser schützt das Baby davor, Nahrung zu sich zu nehmen, wenn es noch nicht bereit dazu ist! Es handelt sich hier also nicht um reine Übungssache, sondern einen Schutzmechanismus, der von vielen Eltern gekonnt ignoriert wird. Natürlich weiß man es nicht besser, wenn diverse Elternratgeber derartige Empfehlungen aussprechen, das ist mir durchaus bewusst!

BLW bedeutet selbstbestimmter Beikoststart. Die meisten Babys zeigen recht früh Interesse, allerdings nicht um dann tatsächlich zu essen. Es ist mehr ein Experimentieren, sich mit der Nahrung vertraut machen. Es wird viel abgelutscht, auseinandergenommen, herumgeworfen oder zermatscht. Dabei muss man entspannt bleiben und sein Baby einfach ausprobieren lassen. Die Sauerei kann man hinterher immer noch putzen 😉

Vorteile von Baby Led Weaning und die sogenannten „Beikostreifezeichen“

  • Dein Baby wird langsam an die Nahrung herangeführt
  • Dein Baby kann nach Lust und Laune probieren und experimentieren
  • BLW ist einfacher und natürlicher als mit Brei zu beginnen
  • Extra Kochen und/oder Brei zubereiten ist nicht nötig, spart Zeit, Geld und Nerven
  • Auf Gläschen kann verzichtet werden
  • Dein Baby/Kind is(s)t früher selbstständig
  • Dein Baby benutzt all seine Sinne um die Nahrung zu erkunden
  • Dein Baby isst gemeinsam mit der Familie am Tisch
  • Vorteilhaft für ein späteres gesundes Essverhalten
  • Gut um die motorischen Fähigkeiten weiter auszubauen

Bei den Beikostreifezeichen handelt es sich um eine Liste mit verschiedenen Faktoren welche, sollten sie von Kind erfüllt worden sein, allgemein als Zeichen dafür gelten, dass das Baby nun mit fester Nahrung beginnen kann. Allerdings können diese Zeichen auch fehlinterpretiert werden, oder gar nicht erst eintreten. Das verunsichert vor allem Ersteltern ungemein. Am besten auf die eigene Intuition und vor allem das Baby hören.

Kann sich mein Baby verschlucken?

Theoretisch ja, jedoch wird der Würgereflex bei Babys sehr weit vorn im Mund ausgelöst. So können sie sich gut davor schützen, zu große Stücke zu verschlucken, die eventuell stecken bleiben könnten. Die Angst ist also relativ unbegründet, zumal wir unsere Babys am Anfang auch nicht aus den Augen lassen.

Unsere Erfahrungen mit Baby Led Weaning

Bei beiden Kindern haben wir es so gehandhabt und das so lange, wie es vom Kind aus gewollt war (bzw. noch immer ist). Unser Lysander hat mit fast genau einem Jahr das erste Mal richtig gegessen. Und unsere Aurelia ebenso. Beide haben sich vorher kaum für unser Essen interessiert, wenn dann wurde es höchstens einmal in die Hand genommen, zermatscht und damit war die Sache dann erledigt. Beide unsere Kinder haben mit Banane und Avocado angefangen, worauf dann jeweils in unterschiedlicher Geschwindigkeit der Rest folgte. Wir haben anfangs bewusst nur roh gegessen um unsere Kinder nicht unnötig an Kochkost zu gewöhnen und um ihre gut funktionierenden Körper zu schonen. Das Resultat? Im Bioladen schreit mein Großer nach Salat statt Schokolade und zum Frühstück gibt’s Gurken- und Karottensticks mit Dip. Natürlich nicht immer 😉

Bei beiden Kindern war bis zum zweiten Lebensjahr (Aurelia wird demnächst 2) Muttermilch die Hauptnahrung. Aurelia stillt immer noch sehr viel und ein Ende ist noch keines in Sicht. Ich lasse (ließ) beide Kinder so lange stillen, wie sie es brauchen und wollen. Lysander hat mit 2,5 Jahren aufgehört, bei Aurelia wird es sicher länger dauern. An alle verunsicherten Mamas da draußen: Es ist völlig normal, wenn bis zum zweiten Lebensjahr Milch die Hauptnahrung eurer Zwerge ist. Es geht dabei schließlich nicht nur um die pure Nahrungsaufnahme, sondern auch um Liebe, Nähe und das Gefühl von Geborgenheit. Unsere Kinder brauchen uns und müssen nicht zwangsweise abgestillt oder zugefüttert werden. Alles gibt sich irgendwann von selbst, wir müssen nicht immer zwangsweise das tun, was andere erwarten. Wichtiger ist, dass wir das tun, womit wir uns wohlfühlen und allem voran auch unsere Kinder!

Bis dahin – Eure Ökofamilie

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