Papa sein: Warum ich gerne stillen würde

Jede Mutter, die gestillt hat, oder es immer noch macht, kennt es: schmerzende Nippel! Um es vorab zu sagen, das ist nicht der Grund, warum ich gerne Stillen würde.
Gerade die Anfangszeiten können für Mutter und Kind sehr frustrierend und anstrengend sein. Das bereitet nicht nur der Mutter Kummer, sondern ermüdet auch das Baby, sodass es schneller einschläft – nicht genügend getrunken hat und folglich wieder früher an die Brust will. Auch die verschiedenen Stellungen beim Stillen wollen gelernt sein. So trägt eine einseitige „Belastung“ ebenfalls dazu bei, dass das Kind nicht richtig trinken kann. Statt in den Bauch des Kindes zu wandern, bleibt die Milch in der Brust und sammelt sich dort schön brav zu einem Knoten. Milchstau! Mühsam muss dieser heraus massiert werden. Dem Kind ist das aber egal, es schreit die Mutter an und will seine Milch sofort. Wird der Milchstau nicht schnell genug behoben, kann es dann auch noch zu schlimmeren Entzündungen kommen. Eine vollgepumpte Brust zu massieren ist jedoch auch nicht so einfach, wie es sich vielleicht anhört. An alle Männer: Stellt euch vor jemand tritt euch mit voller Wucht zwischen die Beine und sagt euch nun, ihr sollt eure Hoden massieren, damit wird es wieder besser – wie motiviert seid ihr?
Dann saugt das Baby auch noch so stark an der Brust, dass es nicht lange auf sich warten lässt, bis die Brustwarzen so wund sind, dass jeder weitere Stillvorgang zum Horrortrip wird. Fangen diese durch die Dauerbeanspruchung dann auch noch an zu bluten, verschafft auch die Brustwarzencreme nur noch wenig Linderung und das Gesamtpaket ist perfekt. Besonders toll ist es dann noch, wenn man die Creme gleich wieder abwaschen darf, weil das Baby sich entschließt, doch noch mal ran zu wollen.
Als meine Tochter noch sehr jung war biss sie mir mal spaßeshalber in meine Brustwarze. Sie fand das irre lustig aber ich sag euch, man(n) weiß erst, wie empfindlich so eine Brustwarze ist wenn sich ein Baby darin festbeißt!

Alles in allem wundert es mich nicht, dass viele Mütter sich für den leichten Weg entscheiden und ihrem Kind das Fläschchen geben. Jetzt wo ich so darüber nachdenke, bin ich doch ganz froh darüber, dass die Aufgabe des Stillens nicht bei mir liegt. Jedoch muss es überall, wo der Schatten hinfällt, auch Licht geben. Und so ist es auch beim Stillen!

Sind die anfänglichen Schwierigkeiten erst einmal überwunden, eröffnet sich einem ein sternenklarer Himmel mit endlos vielen funkelnden Lichtern. Atemberaubend schöne Momente ergeben sich zwischen Mutter und Kind. Eine innige Beziehung entsteht und Blicke können ausgetauscht werden, die mehr sagen als tausend Worte.
Nicht umsonst heißt es auch Stillen. Denn diese Stille, die dabei entsteht, gibt nicht nur den Ohren eine Pause, sondern ergreift den ganzen Geist bis ins Innerste mit einer Ruhe und Zufriedenheit, die ich als Mann nur erahnen kann.

Auch die Brust selber spielt für das Kind eine wichtige Rolle und wird schon fast zu einer eigenen Persönlichkeit. Wie ein Lieblingsspielzeug, das fast jeder von uns früher hatte, sei es eine Puppe, ein Kuscheltier oder eine Actionfigur. Dieses eine Spielzeug, das überallhin mitgenommen werden musste. Welches ganz anders war als all die Anderen. Dieses Spielzeug, das seinen ganz eigenen, persönlichen Charakter hatte und bei dem die bloße Anwesenheit ausreichte, damit es einem besser ging. Eine solche Beziehung, könnte ich mir vorstellen, baut das Kind auch zur Brust auf. Eine gute Freundin, die immer für einen da ist und niemals urteilt. Sie wird gestreichelt, umarmt und ihr wird gesagt, wie lieb man sie hat. Zumindest konnte ich dies bei meiner Tochter beobachten.

Neulich saß sie bei mir, ihren süßen kleinen Kopf auf meine Brust gelehnt und sie nuckelte an ihrer Wasserflasche. Mehrere Minuten lang durfte ich diesen wundervollen Augenblick genießen. Diese unglaublich wohltuende Ruhe, die so ein zartes Geschöpf ausstrahlt, ist verblüffend. Für einen kurzen Moment durfte ich in die Gefühlswelt eintauchen, welche eine stillende Mutter durchlebt. Wie ein heilender Balsam, breitete es sich in mir aus. Alles um mich herum verschwamm zu schemenhaften Silhouetten und ich hätte auf die Frage, was Probleme sind und wie diese definiert werden keine Antwort gewusst. Jede Sekunde die verging sog ich in mich hinein, wie ein Mienenarbeiter der nach einem langen Tag endlich wieder frische Luft atmen kann.

Völlig verzaubert hielt die Wirkung noch eine Weile an, doch verblasst sie zunehmend und alles was bleibt, ist eine Erinnerung an einen Moment, der schöner nicht hätte sein können. Zum Greifen nah befand ich mich an der Quelle des Glücks und dem damit verbundenen inneren Frieden. Mit jedem Tag der vergeht, wünsche ich mich dorthin zurück. Zurück an den Ort, den der Frieden sein Zuhause nennt. Dorthin zurück, wo nichts wichtiger erscheint als das Wohlergehen deines Kindes. Und gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit, sind solche Momente der Ruhe umso kostbarer.

Genießt also die Zeit, die ihr mit euren Kindern verbringen könnt und kostet die Ruhe, die sie euch zu Teil werden lassen, voll aus. Denn diese Momente sind wie wunderschöne, liebevoll mit Kreide gezeichnete Straßengemälde, kurz bevor der Regen kommt. Alles was bleibt, ist die Erinnerung.
Euer Sascha

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Comments

Kommentare

7 Kommentare

  1. Oh, Sascha, das hat mich zu Tränen gerührt, so wunderschön hast du das geschrieben. Du hast exakt zum Ausdruck gebracht, was in Mutter und Kind vorgeht und wie innig diese Beziehung ist. Du wärst sicher eine perfekte Mami, ein grandioser Vater bist du schon. Ich drück dich ganz fest aus der Ferne! Schön, dass ich so einen Schwiegersohn haben darf!

  2. Ich liebe dieses wunderbare, satte Geräusch, wenn er saugt und seine Milch schluckt <3 Wenn es um uns ganz leise wird, dann kann man sogar die Milch hören, wie sie so fließt 🙂 Das sind absolut unbezahlbare ud kostbare Momente. Es stimmt – Man fühlt sich einfach richtig!!

  3. Pingback: World Wide Web Week #08-2017 - Free Your Family

  4. Oh, ein neues Logo. Schick! 🙂 Aber deswegen schreibe ich gar nicht. Ich kann diese Gedanken zum Stillen und zur gemeinsamen Zeit mit den Kindern absolut nachvollziehen. Danke für den schönen Beitrag!

    Liebe Grüße
    Patrick

  5. Als Vater von nun 6 Kindern kann ich sagen, es kommt die Zeit, da schaut deine Frau neidisch auf Dich, wie Du mit Deinem Kind tobst, innig spielst oder Sachen machst, die Deine Frau nicht kann. In der Tat ist die Mutter zu Beginn unersetzbar, aber Deine Zeit kommt noch!

    • Da hast du wohl recht 🙂 Ich merke schon, wie mein Sohn mit seinen 6 Jahren nun doch eher mir zugewandt ist. Am Anfang war das ein wenig irritierend, so sehr außen vor zu sein 🙂
      Alles Liebe, Sascha

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