Kindergartenfrei – Selbstbetreuung – Wo liegt das Problem?

Kindergartenfrei – Selbstbetreuung!

Viele Menschen haben uns nun gefragt, wie genau die Sache mit der Selbstbetreuung in der Praxis aussieht. Uns freut es wirklich sehr, dass so viele Menschen Interesse daran haben und gerne weiterführende Informationen hätten. Manche Menschen kennen es oft gar nicht anders und leben ein Modell, welches sie so vielleicht gar nicht leben wollen. Man sieht oft keine Alternative und gibt dem Druck von außen, auch wenn es gegen das eigene Gefühl geht, einfach nach. Das Kind muss in den Kindergarten, sonst wird nichts aus ihm. Ganz egal ob es weint oder nicht möchte. So oder so ähnlich lautet die Botschaft. Dabei soll ein Kindergarten doch eigentlich etwas Angenehmes sein. Entlastung für die Eltern, soziale Kontakte und Spaß mit Lerneffekt für das Kind. Es ist schön, wenn es in vielen Fällen ganz unkompliziert klappt und keiner darunter zu leiden hat. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Fällen, in denen es nicht ganz so gut funktioniert.

Wo liegt das Problem?

Mieser Betreuungsschlüssel, gestresste Erzieherinnen, zu wenig Kommunikation, Unachtsamkeit. 2 – 3 Erzieher können einer Gruppe von 20 Kindern nicht gerecht werden, vor allem Kinder unter 3 haben oft darunter zu leiden, dass sie zu wenig wahrgenommen werden. Dabei ist der erste Lebensabschnitt so wichtig für unsere Entwicklung und sollte eigentlich auch dementsprechend begleitet werden. Von jemandem der das Kind kennt und liebt, genau so wie es ist. Im Kindergarten werden nicht selten alle Kinder über einen Kamm geschoren, es sind ja schließlich alles Kinder oder? Sicher wird in der einen oder anderen Einrichtung mehr auf die Kinder eingegangen. Ich kenne auch sehr positive Beispiele. Ich spreche hier aber von der allgemeinen Situation. Manche Menschen sind darauf angewiesen und haben keine Wahl! Wenn ein Platz frei ist, wenn auch nicht im Wahl-KiGa wird er trotzdem in Anspruch genommen. Man weiß ja nicht, wann man wieder die Chance auf einen Platz hat.

Ein negatives Beispiel – nicht das Einzige

Während der Eingewöhnung meines Sohnes in einem freien Kindergarten, habe ich ein paar Dinge miterlebt, die ich für äußerst fragwürdig hielt. Ein Erlebnis dazu wie folgt: Eines morgens kam ein neues Kind dazu. Ein kleines 2-jähriges Mädchen, dessen Schwester bereits denselben Kindergarten besuchte. Das kleine Mädchen freute sich riesig mit der Schwester dort spielen zu können und eine Woche lang waren sie, während der Eingewöhnung, unzertrennlich. Für die Mutter war soweit alles in Ordnung und sie brachte die Kleine fortan nur noch in den Kindergarten und ging sogleich wieder. Am dritten Tag habe ich ein Gespräch der Erzieherinnen mitgehört. Sie waren sich einig die beiden trennen zu müssen. Das kleine Mädchen war darauf hin sehr verzweifelt und wollte immer wieder zur Schwester zurück, nachdem man sie mit Spielsachen fort gelockt hatte. Und immer wieder wurden sie getrennt und das Mädchen fing irgendwann an, dauerhaft zu weinen und wollte morgens wieder mit nach Hause. Die Mutter verstand das nicht, es war ja alles okay gewesen. Die Erzieherinnen gaben ihr den Rat sie Sache einfach laufen zu lassen, sie gewöhnt sich schon daran, das ist normal. Es hatte ihr zu Beginn ja schließlich gefallen. Die Mutter hatte auf den Rat vertraut und nach kurzer Zeit hat sich die Kleine daran gewöhnt. Alle waren begeistert. Das Mädchen aber, wurde zunehmend unruhiger. Sie nahm anderen ständig die Sachen weg und war auch sonst sehr ungehalten und wild im negativen Sinn. Das hielt man für ein Zeichen ihres Aufblühens im Kindergarten, man müsse aber schauen, dass das nicht Überhand nimmt. Für uns kam dann die Erkenntnis, dass wir im Kindergarten absolut nichts zu suchen haben.

Es geht darum die Wahl zu haben

Man muss seine Kinder nicht auf Teufel komm raus selbst betreuen. Der wichtigste Faktor ist die Bindung. Wenn sich ein Kind sicher und geborgen fühlt, hat es meist keine Probleme damit, stundenweise fremd betreut zu werden. Dadurch kann Fremdbetreuung auch einen Mehrwert haben, wenn es sich für alle Parteien stimmig anfühlt. Bei uns ist das im Moment nur möglich, wenn ein Familienmitglied die Betreuung übernimmt. Da ist eine gewisse Bindung schon von Anfang an vorhanden, unserem Sohn ist das sehr wichtig. Er braucht viel Zeit um sich an neue Situationen zu gewöhnen, und die wollen wir ihm auch geben. Kinder brauchen ein sicheres soziales Netz, worauf sie sich zu 100 Prozent verlassen können. Wir bringen sie aber in eine Lage, in der sie sich verzweifelt und allein fühlen. So will sich kein Mensch fühlen. Und was genau lernt das Kind, wenn es weinend zurückgelassen wird? Natürlich beruhigen sich diese Kinder irgendwann. Sie können auch nicht ewig Widerstand leisten. Der Mensch ist anpassungsfähig, darüber brauchen wir uns sicher nicht streiten, das ist bekannt. Ein Kind resigniert irgendwann, es hat ja auch gar keine andere Wahl. Um zu überleben muss man sich anpassen. Wir wollen unseren Kindern die Wahl lassen. Und uns selbst auch. Wir haben uns gegen den Kindergarten entschieden und stehen voll und ganz dahinter. Wir alle sollten prinzipiell die Wahl haben, haben wir aber oft nicht. Überall wird man grundsätzlich benachteiligt, wenn die Kinder nicht in den Kindergarten gehen. Angebote speziell für Kinder gibt es meist erst am Mittag, die Öffnungszeiten bestimmter Einrichtungen haben sich ebenfalls darauf eingestellt. Anschluss an andere gestaltet sich schwierig, weil es keine dementsprechenden Informationen diesbezüglich gibt und überall kommt die Frage auf: „Ja bist du heute nicht im Kindergarten?“. Die Reaktionen sind überwiegend negativ. Man hat einfach nicht das Gefühl die Wahl zu haben. Man muss alles selbst organisieren (was vielleicht auch wieder ganz gut so ist – ich bin mir noch nicht sicher 😉 ) und viele wissen vielleicht gar nicht wo anfangen.

Gesellschaftliche Akzeptanz ? Fehlanzeige!

Wer sich gegen den Kindergarten entscheidet muss oft einiges einbüßen. Man braucht ein dickes Fell! Gesellschaftliche Akzeptanz kann man keinesfalls erwarten, noch ist die Idee dahinter nicht angekommen und löst bei vielen Unverständnis aus, ja teilweise sind die Menschen sogar extrem verärgert. Zweifelt man schließlich das eigene System an – erst mal eine ganz normale Reaktion und für uns in Ordnung. Wer dann aber nach dem ersten Anflug von Ärger nicht einlenkt und zumindest zuhört, auf den können wir gut verzichten. Wir wollen dass alle Menschen die Wahl haben, ob sie ihre Kinder in eine Einrichtung geben wollen oder nicht. Es sollte nicht vom Geld abhängig sein – wir empfinden das als äußerst grausam. Keine Wahl zu haben, wenn man eigentlich etwas anderes möchte. Gerade bei den eigenen Kindern, die man so sehr liebt, muss es doch die Möglichkeit geben, den Alltag so zu gestalten, dass alle zufrieden sind.

Einen tollen Anfang macht hier die Seite kindergartenfrei.org. Auf Facebook haben die Macher regionale Gruppen für die verschiedenen Bundesländer gegründet, auf denen man mit anderen kindergartenfreien Familien in Kontakt treten kann!

Wenn ihr wirklich wollt, findet ihr einen Weg eure Kinder bei euch zu Hause aufwachsen lassen zu können. Wir haben zwar weniger Geld, sind dafür aber insgesamt deutlich glücklicher. Wir müssen den Spagat zwischen Kindergarten, Alltag und 9 to 5 Job nicht schaffen – wollen wir auch gar nicht. Es ist uns wichtiger, unsere Kinder bestmöglichst in dem zu unterstützen, was sie gerade brauchen. Das kann ein Kindergarten definitiv nicht gewährleisten. Die üblichen Kritikpunkte lassen sich leicht widerlegen und faul ist man selbst deshalb schon einmal gar nicht. Wer Kinder hat, dem wird sicher klar sein, was es bedeutet, sie den ganzen Tag um sich zu haben. Es verlangt einiges von einem selbst ab und manchmal wünscht man sich tatsächlich ein bisschen mehr Zeit für sich. Aber selbst dafür gibt es Lösungen, mit denen alle zufrieden sind.

Wir wollen euch ermutigen, falls ihr Bedenken habt, oder der Druck von außen zu groß ist, auf euer Inneres zu hören. Es haben uns so viele Fragen und Kritiken nach unserem letzten Artikel erreicht, dass wir das Bedürfnis hatten, noch einmal darüber zu schreiben. Viele von euch würden ihre Kinder gerne selbst betreuen, können aber noch nicht dem Mut aufbringen, die Sache durchzuziehen. Macht es einfach! Abgesehen von der Tatsache, ob es zu euch und eurem Leben passt, kann nicht viel passieren. Wie soll man es sonst herausfinden, wenn nicht durch ausprobieren? Wir mussten auch erst nachgegeben und unseren Sohn in den Kindergarten schicken, um herauszufinden, dass es nicht unser Ding ist 😉

Hier noch ein aufrüttelnder Bericht aus der „Zeit“.

Und hier geht es zu unserem Interview mit Isa Hauck von schulfrei-elsass.de

Sagt uns was ihr darüber denkt!

Eure Ökofamilie

 

 

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Comments

Kommentare

13 Kommentare

  1. Toller Bericht! Wir leben auch kindergartenfrei und ich finde es ist das Beste für unsere Kinder. Ja, eine Wahlfreiheit wäre toll, aber jeder hat in jedem Moment die Wahl. Es gibt immer einen Weg zum Ziel 🙂

  2. Hilfe, der Zeit-Artikel hat mich wirklich sehr schockiert. Wir stehen gerade vor der Entscheidung unseren bald 2-jährigen Sohn in den Kindergarten zu geben. Erwartet wird das von allen im Umfeld. Ein gewichtiges Gegenargument wird aber auch im Artikel genannt: Er kann noch nicht wirklich ausdrücken, wenn ihm etwas Ungutes dort passiert…

    • Nadine Wiedmann

      Hallo Nadine 🙂

      ja der Artikel ist echt heftig. Und wer weiß was nicht gefilmt wird. Gerade bei kleinen Kindern sehen wir das sehr kritisch, eben weil sie noch keine Worte haben, für das was ihnen wiederfährt, oder auch nicht! Wichtig ist, wie ihr dabei empfindet. Wenn ihr ein ungutes Gefühl habt würde ich es auch nicht machen und warten, bis es sich ok anfühlt. Man weiß schließlich immer am besten was für das eigene Kind gut ist und was nicht. Außenstehende können das keinesfalls beurteilen.

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  3. Danke für deinen Artikel! Er ist sehr hilfreich!
    Nach der Eingewöhnung haben wir unsere Kinder auch vom Kindergarten abgemeldet. Wir ticken als Familie einfach zu anders und wollen uns auch nicht verbiegen, nur damit man sagen kann: Ja unsere Kinder gehen jetzt auch in den Kindergarten.
    Da mein Mann arbeitet und ich somit fast die komplette Kinderbetreuung übernommen habe musste ich mich selbst erst mal „umerziehen“ damit es für uns alle daheim gut läuft. Viel in der Natur sein und die Kinder einfach machen lassen ist die beste Art wie man es gelassen schaffen kann.
    Alles liebe
    Olga 🙂

    • Hallo liebe Olga 🙂

      danke sehr für das liebe Kompliment. Wir müssen die Idee einfach noch ein wenig mehr streuen, damit auch die letzten Menschen verstehen, dass Kinder nicht zwangsläufig in den Kindergarten gehören. Man muss wirklich einiges aushalten und standhaft bleiben. Viel drauße sein ist natürlich das Beste was man machen kann – das tut so gut!

      Alles liebe,
      Nadine

  4. Liebe Nadine, warum bin ich erst jetzt auf eure Seite aufmerksam geworden?? Ihr sprecht mir aus dem Herzen 🙂 Ich habe einen Blog gegründet, auf dem ich zu genau dem Thema blogge. Allerdings ist unser Sohn derzeit 18 Monate alt, also noch nicht im Kiga-Alter. Deswegen geht es auf Berufung Mami auch aktuell „nur“ um die ganz Kleinen (0-3), die möglichst zu Hause betreut werden sollen. Jedoch spiele auch ich jetzt schon mit dem Gedanken, ihn darüber hinaus weiter selbst zu betreuen. Ich bin begeistert, dass sich offensichtlich doch viel mehr Menschen mit der Thematik der Fremdbetreuung beschäftigen, als ich vermutet habe. Vielen lieben Dank für den tollen Artikel! Lass uns gemeinsam die Welt da draußen ein bisschen verändern. Es muss nicht immer der Weg sein, den alle gehen! Anders sein ist cool 😉 Deine Jenniffer

  5. Hallo liebe Jenniffer 🙂
    Danke für deinen lieben Kommentar! Es stimmt, es gibt mittlerweile so viele Eltern, die den Kindergarten in Frage stellen, und uns freut das total. Kindergarten ist nicht für jedes Kind, unser Großer zB kam ja gar nicht damit klar, wobei ich froh bin, es ausprobiert zu haben, denn das hat es dann endgültig bestätigt. Deinen Blog kannte ich auch noch nicht, bin eben mal kurz drübergeflogen, finde ihn klasse! Werde später noch einmal genauer schauen – wenn die Kinder in ihr Spiel vertieft sind 😉
    Anders sein ist total genial 😀 Früher hab ich mich versteckt, aber jetzt, wo es dank Internet mehr Vernetzungsmöglichkeiten gibt, fühle ich mich relativ sicher und habe schon so viele Gleichgesinnte gefunden!

    Ganz liebe Grüße,
    Nadine

  6. Hallo! Ist von euch irgendjemand aus Stuttgart???? Meine älteste Tochter (gerade 5 Jahre alt geworden) geht auch nicht in den Kindergarten – es war ein langer Leidensweg (und beide Kindis die wir versucht haben leider ganz ganz schlecht, ohne Eingewöhnung usw.:-(
    Wir suchen Kontakt, vielleicht mal zum Treffen auf dem Spielplatz oder so….. Würde mich über Nachricht freuen 🙂

    • Hallo liebe Tina,

      wir selbst kommen aus Esslingen 🙂 Ich schreibe dir einmal eine Mail.
      Ansonsten kann ich dir noch die Facebookgruppe Kindergartenfrei Baden Württemberg empfehlen.
      Da sind einige aus der Umgebung dabei, die ebenfalls Kontakt zu Gleichgesinnten suchen 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

      • Hallo Nadine bin auch aus LK Esslingen und suche gleichgesinnte

        • Hallo liebe Silke,

          es gibt auf Facebook regionale „kindergartenfrei“ Gruppen. Schau dich doch einmal in der kindergartenfrei Baden-Württemberg Gruppe um! Es gibt sehr viele in unserem Landkreis! Schau einfach einmal rein 🙂

          Alles Liebe,
          Nadine

    • Hallo Tina, komme auch aus dem Raum Stuttgart – würde mich freuen mal mit dir zu mailen 🙂 Vielleicht kann dir ja Nadine meine e-mail Adresse zumailen!? 🙂 LG

  7. Ich bin froh nicht allein zu sein mit meiner Einstellung!!!!

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    Bedürfnisorientiert Aufwachsen! Familien Weltreise Kongress!