So bildet sich dein Kind! Wie du seine Begeisterung erhältst und Talente erkennst

Heute haben wir einen ganz besonderen Beitrag für euch. Schon längere Zeit folgen wir der wunderbaren Louise und ihrem Blog Zwerggeflüster. Vor kurzem habe ich sie gefragt, ob sie nicht einen Gastbeitrag für uns schreiben möchte und – Yippie – sie hat ja gesagt! Viel Spaß beim lesen – und schaut unbedingt auf ihrem Blog vorbei, dort warten absolut lesenswerte Artikel auf euch.

So bildet sich dein Kind! Wie du seine Begeisterung erhältst und Talente erkennst

„Kinder müssen nicht belehrt werden. Kinder müssen unterstützt werden. Kinder müssen gefördert werden in dem, was sie interessiert.“, Arno Stern, Forscher und UNESCO-Experte“.

Diese Woche wurde ich Zeuge einer Spielplatzunterhaltung zweier scheinbar recht wohlhabender Mütter, von denen die eine ihren vierjährigen Sohn zum Tennis angemeldet, „es mal mit Tennis versucht“ hat, was jetzt (natürlich) nicht mehr statt findet. Wer schon mal einen Tennisschläger in der Hand gehalten hat, weiß, dass man dafür einen ganz schön starken Arm braucht, Gegengewicht, Kraft – und ich frage mich ernsthaft: Tennis? Wie kommt man denn bei einem vierjährigen Kind auf so etwas!?

Nebenbei bemerkt fand ich die Spielplatzmamis trotz dieser Eigenartigkeiten auf ihre Art total sympatisch. Und dennoch beschäftigt es mich sehr, auf welche Weise Eltern, Erzieher und Pädagogen immer wieder versuchen, Kinder für Dinge zu begeistern, Kinder (künstlich) „anzusprechen“, neues oder schlummernde Talente aus ihnen herauszulocken. Bei dem Kind der netten Tennis-Spielplatzmami ist mir, als erfahrene Musikerin, sofort aufgefallen, dass der vierjährige Paul, von dem da die Rede war, hochmusikalisch ist und sich, wenn man ihm das Angebot machen würde, absolut für Musik begeistern könnte. Bei mir zählt das Kind, und ja, ich kämpfe ab jetzt für jedes bisschen mehr Kinderglück in dieser Welt! Und so konnte ich es auch nicht lassen, die Mutter auf dieses Thema anzusprechen. Die erstaunliche Antwort: „Wir haben in der Tat einen Freund, der ihm manchmal etwas auf seiner Geige vorspielt. Und auch wenn Paul Klaviermusik hört, ist er absolut hingerissen und begeistert. Er ist dann gar nicht mehr zappelig, sondern singt und bewegt sich lebhaft zur Musik.“

Auf meinen Vorschlag, das Kind einfach lebendige, also echte Musik – handgemacht oder auf CD – hören zu lassen, ihn sich bewegen, singen und tanzen zu lassen, antwortete die Mutter: „Ja, wir haben jetzt im Kindergarten das Musikangebot gewählt, das kann man einfach so dazubuchen, das ist ohnehin das, was wir noch nicht so viel machen.“ Ok (gerade wollte ich mich aufregen).

Kinder bilden sich frei und absichtslos

Bei all den Angeboten, sei es musikalische Früherziehung, eine Bastel- oder Kreativgruppe, Sport, Ballett, Kinderyoga und was es alles gibt – vergisst man leider eins, nämlich vom Kind auszugehen. Wir denken schon wieder nur in Schubladen, und zwar genau in denen, die wir kennen. Was könnte es nicht alles geben! Und was ist alles in den Kindern vorhanden! André Stern sagte neulich in seinem Leipziger Vortrag: „Wir sind nur die Schatten dessen, was aus uns hätte werden können.“ Schade, wirklich, denn wenn es bei uns selbst schon nicht geklappt hat, dann könnten wir doch immerhin den jungen Menschen diesen Weg ermöglichen und ihnen ihre Unverbrauchtheit lassen! Aber das ist überhaupt nicht möglich, wenn immer einer kommt, ständig belehrt, beschult, betitelt, beäugt und getestet wird. Und das diese nicht mehr nur Bauchgefühle sind, von denen verzweifelte Mütter, die, immer ihrer Intuition folgend, ständig zwischen mehreren Stühlen tanzen müssen oder Freibildungsexperten, wie eben genannter Herr Stern, berichten, beweist inzwischen sogar die Wissenschaft. Allen voran im Moment der deutschlandweit bekannte Neurobiologe, Hirnforscher und Psychiater Prof. Dr. Gerald Hüther. In meinem Artikel Warum spielen für Kinder so wichtig ist, bin ich schon einmal ausführlich darauf eingegangen. Und ich kann es nur immer wieder sagen und mich auf die genannten Personen beziehen – Kinder muss man frei (spielen) lassen.

Was dann nämlich dabei herauskommt, ist genau das, worum sich der Titel dieses Artikels dreht: Begeisterung. Ein Kind, was begeistert ist, was sich begeistern darf, weil es beim spielen in Ruhe gelassen wird, keiner da hinein nervt oder fragt, spielt nichts vor oder nach oder nach Anleitung oder verbunden mit einem Zweck – es spielt aus sich selbst heraus, es kreiert, es formuliert. Nur so können ehrliche Leidenschaften entstehen, kann man von außen Talente aufflackern sehen, kann man auch als Erwachsener (sogar bei sich selbst wieder) irgendwie herausfinden, wo die wirklichen Interessen des Kindes gerade liegen.

Bei Manou konnte ich in ihren vier Lebensjahren grob einen Interessenverlauf beobachten (der jetzt so nicht der originalen Reihenfolge entspricht): puzzeln – Tiere, Landleben und Bauernhöfe – Theater- tanzen – Buchstaben und schreiben – Briefe – klassische Musik. Dass sie gern malt und singt, füge ich hier jetzt nicht an, denn besonders diese zwei Beschäftigungen sind Dinge, die von Anfang an da waren und nichts mit einem Talent oder „Hobby“, sondern viel mehr damit zu tun haben, sich auszudrücken, zu formulieren, frei, ohne Absicht, zwecklos. Es sind Dinge, die in jedem Menschen angelegt, vorhanden, sind und in die man ABSOLUT NICHT eingreifen soll! Auch dies ist in dem ganzen Prozess ganz elementar, essentiell und jeder, der irgendwie mit einem Kind zu tun hat, sollte darüber Bescheid wissen.

Angebote schaffen, Umgebung kreieren

Wie also kann ich nun die Begeisterung meines Kindes fördern und seine ureigenen Talente erkennen? Ein Kind wird von ganz allein die Bestimmung in seinem Leben finden und entdecken – und dafür muss man ihm vertrauen. Das Kind ist von Natur aus perfekt ausgestattet, ja, ihm wurde bereits alles, was es hier für seine Weiterentwicklung benötigt, von Natur aus mitgegeben. Vertrauen also in die angeborenen, natürlichen Fähigkeiten des Kindes. Und ja, damit diese auch zur Geltung kommen, muss man einen Rahmen dafür schaffen. Das bedeutet, dass man es eben nicht irgendwo abgibt, in einer Einrichtung, einer Fremdbetreuung, in der dann genau das passiert, was alldem von mir hier angesprochenen, widerspricht! Es bedeutet aber eben auch nicht, dass man stattdessen den ganzen Tag – deswegen – mit dem Kind zu Hause verbringt und nicht mehr arbeiten oder seinen eigenen Beschäftigungen nachgeht. Denn auch dann wäre das Kind – durch unsere permanente „Obhut“- nicht frei.

Es bedeutet, dass man sich einfach tiefere Gedanken macht – über das, was ein Kind ins Leben mitbringt, darüber, welche Potentiale in so einem Wesen für die Welt vorhanden sind und welche Rahmenbedingungen es braucht, um diese ungehindert fließen, sich entfalten zu lassen. Und das greift natürlich tief, auch in die eigenen Lebensvorstellungen, ein. Und ist auch ein Grund dafür, warum es mittlerweile so viele und immer mehr „Aussteigerfamilien“ gibt, Menschen, die sich zusammen schließen, Höfe und Gemeinschaften gründen, Selbstversorger oder Reisende werden, anders leben wollen und ihren Alltag umkrempeln. Für das Kind, überhaupt erst durch das Kind! Und letztendlich zum Wohle aller, für eine bessere Gesellschaft.

 

Warum spielen für Kinder so wichtig ist: http://zwerggefluester.de/warum-spielen-fuer-kinder-so-wichtig-ist/

formuliert: https://www.arnostern.com/de/formulation_d.htm

sollte darüber Bescheid wissen: http://zwerggefluester.de/was-du-uber-kinderbilder-noch-nie-gehort-hast/

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Comments

Kommentare

2 Kommentare

  1. Liebe Nadine, liebe Louise, ein großartiger Artikel. Unser Sohn wird jetzt 2 und ich warte täglich darauf, dass ich erkenne, was seine Interessen sind. Irgendwie habe ich den Eindruck, er hat noch nicht wirklich spezifische Interessen. Kann das sein? Ab welchem Alter kann man Talente erkennen? Freue mich auf eure Antwort. Herzlichst, eure Jenniffer

  2. Liebe Jennifer, herzlichen Dank! Deinen Sohn kenne ich nicht, doch du als Mutter wirst da immer das richtige Auge haben und wenn du meinst, dass er im Moment warscheinlich noch nicht wirklich spezifische Interessen hat, ist das sicher auch so. Es gibt meiner Ansicht nach kein Alter, ab welchem man Talente erkennen kann, denn der Zusammenhang wird meistens erst im Rückblick ersichtlich. Wenn ein Kind aber immer die Möglichkeit hat, frei zu spielen und damit gleichzeitig „frei sich zu entfalten“ – „frei sich zu bilden“ – wird er die in jedem Fall, egal wann, aber AUS SICH HERAUS entwickeln. Herzliche Grüße, Louise

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