Stillen in der Öffentlichkeit – peinlich? Darf man das?

Stillen in der Öffentlichkeit

Die Ökofamile ist vor Jahren auch in den USA unterwegs gewesen und damals war Xena ja noch so kleine, dass sie gestillt wurde. (Ich habe Xena relativ lange gestillt, denn das ist für Kinder nach wie vor die beste Möglichkeit Nahrung und gleichzeitig Liebe zu erhalten.) Allerdings ist das Stillen in der Öffentlichkeit in den USA nicht ganz unproblematisch. Hier schreibe ich jetzt über meine Erlbnisse von damnals, die etwas länger zurückliegen und gebe auch ein paar Tipps zu diesem Thema.

In den USA gibt es ja betreffend Stillen einiges zu beachten. Aber gleich mal eines vorweg: Das öffentliche Stillen ist jetzt in allen 50 Staaten legal! Natürlich fragst Du vielleicht: „Was hat so lange gedauert?“ Immerhin hatten Australien und die Vereinigten Staaten bereits nationale Stillgesetze, und während in vielen anderen Ländern das Stillen in der Öffentlichkeit schlicht und einfach legal ist, ohne dass es einer speziellen Gesetzgebung bedarf, war das lange Zeit in den USA doch sehr problematisch.

2018 waren Idaho und Utah die einzigen Staaten, die stillende Eltern nicht gesetzlich geschützt haben. An beiden Orten konnten stillende Mütter wegen öffentlicher Unanständigkeit angeklagt werden und / oder es konnten auch Geldbußen für das Stillen in der Öffentlichkeit verhängt werden. Im Februar 2018 verabschiedete Utah jedoch – wenn auch nur in sehr begrenztem Umfang – Gesetze zum Schutz des Stillrechts, und im März folgte dann Idaho dem Beispiel. Stillende Mütter in ganz Amerika könen sich inzwischen freuen, öffentliches Stillen ist jetzt in allen 50 Staaten legal!

Allerdings ist es derzeit so, dass nicht alle Staaten das gleiche Schutzniveau bieten. Die Gesetzgebung in Utah enthält beispielsweise einen Artikel, der die Mütter dazu zwingt, beim Füttern die Brust zu bedecken in New York dagegen ist nicht nur die nackte Brust während des Stillens unproblematisch, sondern man geht dort viel weiter: Der Gersetzgeber fordert dort Stillräume in allen öffentlichen Gebäuden, die ab 2019 für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Und warum hat das jetzt so lange gedauert? Der ist wahrscheinlich die Tatsache, dass die meisten staatlichen Gesetzgeber Männer sind. Tatsächlich waren im Jahr 2018 nur ein Viertel aller US-amerikanischen Politiker/innen Frauen. Zudem sind die USA ja als ein relativ konservatives Land bekannt und in vielen Gegenden des mittleren Westens glaubt man sich in vielen Bereichen noch im 19. Jahrhundert.

Trotzdem ändern sich die Dinge auch jenseits des Atlantiks dank der öffentlichen Unterstützung sowie durch Politiker wie z. B. Senator Tammy Duckworth, der als Vorreiter in der Frage des öffentlichen Stillens gesehen werden kann.

Seltsame Welt: Frauen stillen, um ihre Kinder zu ernähren. Nicht mehr, aber auch nicht icht weniger. Und das Recht der Eltern, ihre Babys zu füttern, wie und wo sie möchten, sollte niemals zur Debatte stehen.

Aber zurück zu meiner Erfahrung: Stillen in der Öffentlichkeit ist in europa zwar um Vieles einfacher als in den USA, aber auch hier finden sich immer wieder Menschen, die diese – mehr als natürliche Aktivität – als seltsam betrachten und ich bin mehr als ein Mal in Deutschland, aber auch in Italien in Parks oder Cafés für das öffentliche Stillen kritisiert worden. In den USA zwar häufiger als in Europa, aber trotzdem: Stillen in der Öffentlichkeit ist – obwohl erlaubt – nach wie vor ein kleines bisschen problematisch.

Warum, das so ist, das konnte mir aber niemand erklären. Denn ich habe immer gefragt, wenn ich kritisiert wurde. Es war immer die selbe Frasge: „Was ist das Problem dabei, wenn ich meinem Kind im Park oder im Café die Brust gebe?“ Und die antworten waren meistens äußerst ncihtssagend: „Das geht nicht“, „Das schickt sich nicht“, „Das können Sie nicht tun“. Tolle „Argumente“, die vor Oberflächlichkeit nur so strotzen. 😉 Aber wie auch immer: Egal was die Leute denken oder sagen: Stillen in der Öffentlichkeit ist legal und wer den Nerv dafür hat auch mal in eine (unsinnige) Diskussion verwickelt zu werden, der sollte es einfach tun. Nur so können wir mittelfristig etwas ändern!