Warum ist Minimalismus wichtig für (unsere) Kinder?

Minimalismus? Nicht jeder versteht, warum man minimalistisch leben möchte. Es gibt doch so viele tolle Dinge zu kaufen, warum sollte man darauf verzichten, wenn man es sich doch leisten kann? Macht es Sinn allem zu entsagen und eine gewisse Resistenz gegen die allgegenwärtige Werbung aufzubauen? Was stellt ein solches Leben mit unseren Kindern an und tut es ihnen auch gut? Manchmal zweifle ich ein wenig, wenn mein superresistenter Sohn mal wieder einer seiner Sprüche loslässt, warum das Plakat mit der Spielzeugwerbung total manipulativ ist und er keineswegs darauf einsteigt.

Wie reagieren Kinder auf Minimalismus und sind sie damit auch einverstanden?

Noch vor gut 2 Jahren waren wir alles andere als minimalistisch. Wir hatten alles. Alles was man kaufen kann, alles was ein Mensch „braucht“ um in unserer Welt angesehen und „glücklich“ zu sein. Wir haben immer das Neueste gekauft, waren immer auf dem neuesten Stand und haben uns vermeintlich wohl gefühlt. Was unsere Kinder anging, waren wir zwar immer sehr dem Minimalismus zugewandt, jedoch ist das bei unserem Lysander irgendwann im Sande verlaufen und plötzlich hatten wir ein überfülltes Kinderzimmer.

Irgendwann haben wir angefangen auszumisten. Radikal. Natürlich haben wir bei uns angefangen und das Kinderzimmer erst einmal außen vor gelassen. Zugegeben war es anfangs schwer, Lysander davon zu überzeugen, dass man zum Leben nicht viel braucht. Er hing an seinen Spielsachen und wollte nichts loslassen und alles behalten, obwohl er kaum etwas davon benutzte!

Also sind wir langsam und vorsichtig vorgegangen, haben viel mit ihm gesprochen, die Welt erklärt und warum es so viele Dinge gibt. Irgendwann hat er seine Sachen dann freiwillig gespendet und kam immer wieder mit ein paar Spielsachen an, von denen er meinte, arme Kinder haben mehr davon. Schlussendlich kommt er jetzt mit nur einem kleinen Schrank voll Spielzeug aus und vermisst nichts!

Kein Kind braucht viele Spielsachen, um glücklich und zufrieden zu sein. Ein Kind braucht primär seine Eltern, seine Geschwister, seine Bezugspersonen und keine leblosen Dinge, die es über das fehlende Miteinander hinwegtrösten. Hat ein Kind realisiert, was es bedeutet, weniger zu besitzen und mehr Zeit gemeinsam mit den Lieben zu verbringen, wird es kein Problem mehr damit haben, seine Besitztümer an andere Kinder abzutreten oder gar wegzuwerfen. Im Gegenteil. Es wird seine Spielsachen mit Freude abgeben, um sie gegen echtes Leben einzutauschen.

Minimalismus mit Familie

Es kommt auf die Sichtweise und Haltung der Eltern an!

Ob ein Kind damit einverstanden ist, seine Sachen abzugeben hängt von uns Eltern ab. Wenn wir unseren Kram nicht loslassen wollen, warum sollte es dann unser Kind? Wie bei allem müssen wir unseren Kindern ein Vorbild sein und das, was wir für richtig halten vorleben. Und dann sind sie damit auch einverstanden. Ebenso wichtig ist es (wie bei allem), immer mit dem Kind in Kontakt zu bleiben. Es ist alles ein Prozess, der gut begleitet werden möchte. Was geben wir unseren Kindern mit auf den Weg, wenn wir sie zu manipulierbaren und kaufsüchtigen Erwachsenen heranziehen? Die Wirtschaft freut sich, die Werbeindustrie sicher auch. Nur sind wir dann auch glücklicher? Abhängig von einer künstlich geschaffenen Welt, in der kein Mensch zählt, sondern nur das, was er hat?

Was wollen Eltern für ihre Kinder?

Jede Mutter und jeder Vater möchte seine Kinder glücklich und zufrieden wissen. Ist das nicht unser Ziel als Eltern glückliche Erwachsene heranzuziehen? Minimalismus kann ein Weg zum Ziel sein. Denn wer mit wenig auskommt, ist generell zufriedener und weniger vom Wesentlichen abgelenkt. Ob ein Wohnzimmer voll mit Fernseher, Playstation und dem Neuesten von Neuen steht oder lediglich Sitzgelegenheit und Bücherregale anbietet, ist ein großer Unterschied. Keiner will seine Kinder im Mangel aufwachsen sehen, aber wir wollen auch keine kleinen Monster, die nicht zu schätzen wissen, was sie haben. Da stellt sich für alle Eltern die Frage, was wollen wir eigentlich ? Das muss jeder für sich selbst beantworten.

Wie wir im Moment den Minimalismus leben

Manche von euch wissen bereits, dass wir momentan im Wohnmobil leben. Wir haben alles losgelassen was wir besitzen und ziehen in unserem Mobil durch Europa. Weil wir es so wollen, weil wir uns momentan nur so wohl fühlen. Unsere Wohnung hat uns erdrückt, erstickt und zu fast schon dauerhaft schlecht gelaunten Menschen gemacht. Wer weiß, ob es irgendwann einmal wieder anders sein wird. Vielleicht sitzen wir in einem Jahr wieder in einer Wohnung oder haben uns vielleicht sogar auch noch von unserem Wohnmobil verabschiedet. Wer weiß das schon. Auf jeden Fall sind wir so glücklich wie nie zuvor, frei von allem sein zu können, ohne auf etwas zu verzichten zu müssen, was für uns relevant wäre.

Bis dahin – Eure Ökofamilie <3

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Comments

Kommentare

4 Kommentare

  1. Wunderschön geschrieben!
    Ich habe noch keine Kinder, aber solche Gedanken macht man sich doch. Wie viel ein Kind wohl braucht, wie man eine gute Mutter wird. Manchmal denke ich, dass es vielleicht einfacher ist, wenn man schon minimalistisch lebt und dann erst Kinder bekommt. Aber dann kommt meistens doch wieder ganz unbewusst diese Sicherheitsdenken hoch. Ich denke ich lasse mich weiter von euch inspirieren. Vielen Dank dafür!

    • Hallo liebe Franca,

      danke für deine lieben Worte 🙂 Ja man macht sich seine Gedanken und davon manchmal viel zu viele.
      Es ist sicher definitiv einfacher, wenn man bereits so lebt. So kommt ein Kind erst gar nicht mit
      zu viel Konsum in Berührung. Bei uns war es teilweise etwas schwer, weil Lysander bereits alles
      kannte und wusste, was es zu kaufen gibt. Er benötigt immer gute Gründe, sonst macht er nicht mit 🙂
      Und es ist auch gut und wichtig so, dass er seinen eigenen Kopf hat, nur war es dadurch nicht sehr
      einfach ihm alles zu erklären.
      Die Sicherheitsgedanken sind natürlich immer nur gut gemeint, aber du hast recht, genau die lassen
      uns dann wieder viel zu viel von allem kaufen.

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  2. Liebe Nadine, wir haben auch gerade viel ausgemistet und leben seit 2 Wochen mit unseren beiden Kindern im Wohnmobil. Beide haben eine kleine Kiste mit Spielsachen, das reicht ihnen. Es ist spannend, von euren Erfahrungen zu lesen. Alles Liebe!

    • Hallo liebe Julia,
      das ist ja toll! Wo seid ihr denn unterwegs?
      Wenn ihr lust auf ein bisschen Vernetzung habt,
      schreibt uns doch einfach einmal an!
      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

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