Wie viele Geschenke braucht ein Kind wirklich? Liebe und Konsum

Als würden viele Geschenke von unserer unermesslichen Liebe zeugen, war es bei uns immer so, dass wir uns beschenkt haben wie verrückt. Unter dem Weihnachtsbaum war kaum mehr Platz und manchmal war es ein seltsames Gefühl, wenn alle so da saßen und nur mit ihren Geschenken beschäftigt waren – statt miteinander.

Natürlich ist es schön, sich gegenseitig zu beschenken. Auch die Vorfreude und das Auspacken der Geschenke war und ist noch immer ein schönes Ereignis. Doch ich weiß gar nicht mehr, was ich wann und von wem geschenkt bekommen habe. Wirklich. Nur die ganz besonderen Dinge sind in Erinnerung geblieben. Zum Beispiel als meine Mutter und ich uns zufällig denselben Spiegel geschenkt haben – wir hatten keine Ahnung! Oder als wir Geschenke-Flaschendrehen gespielt haben, statt die Geschenke einfach nur auszupacken.

Mangel, Zeit, Überfluss, glückliche Kinder

Und unser Lysander hat lange Zeit, ob es nun sein Geburtstag, Ostern oder Weihnachten war, viele Geschenke bekommen und war damit gnadenlos überfordert. Erkannt haben wir das erst viel später, als wir bemerkt haben, dass er sich tatsächlich meist nur mit einem oder zwei der Geschenke intensiv beschäftigt hat. Der Rest blieb oft lange Zeit liegen oder wurde lediglich dann bespielt, wenn wir uns aktiv mit eingebracht haben – nur dann wurde es auch interessant. Kindern ist die Zeit, die wir ihnen schenken viel wichtiger als jedes materielle Geschenk – und sei es noch so teuer.

Niemand meint es böse, wenn er ein Kind mit Geschenken überhäuft. Wir wollen, dass es unseren Kindern an nichts mangelt und handeln dementsprechend. Wir denken gar nicht daran, dass es auch einen gegenteiligen Effekt haben kann, wir wollen einfach nur die Freude sehen und spüren.

Wichtig ist, bei den Kindern zu bleiben. Wenn ihr eine gute Beziehung zu euren Kindern habt, ist die Geschenkefrage gar keine mehr. Glückliche, zufriedene Kinder haben keine großartigen Wünsche. Sie müssen keine Lücken füllen. Sie werden gesehen und wissen das. Sie bekommen unsere Aufmerksamkeit und wissen, dass wir sie auch dann wertschätzen, wenn wir sie nicht mit Geschenken überhäufen.

Zu viele Geschenke oder zu wenige?

In Deutschland verlässt man sich gerne auf den Rat von Experten. Was wir dabei immer wieder vergessen ist, dass wir selbst die Experten für unsere Kinder sind. Niemand kann uns sagen, wie viele Geschenke man dem eigenen Kind schenken sollte und auch nicht was oder welchen Wert es haben soll. Das entscheidet überwiegend die finanzielle Situation und/oder der Wunschzettel, die Einstellung der Eltern und die der Verwandten. Fakt bleibt: Kinder freuen sich für gewöhnlich über jedes Geschenk! Auch wenn es nur eines ist. Wie viel man seinem Kind schlussendlich zumutet, bleibt jedem Selbst überlassen. Man muss allerdings auch mit den Konsequenzen leben. Ist ein Kind erst einmal daran gewöhnt, viele Geschenke zu bekommen, wird es diese auch einfordern. Und wir wissen, dass die Wünsche mit zunehmendem Alter größer und teurer werden. Das ist aber nicht der Punkt, sondern nur ein Nebeneffekt.

Wie ihr euch denken könnt, gehen wir davon aus, dass zu viele Geschenke völliger Blödsinn sind. Dabei geht es nicht einmal nur darum, dass es am Ende auch wertgeschätzt wird, sondern auch um den Konsumrausch und Nachhaltigkeit. Wir leben unseren Kindern etwas vor, und wenn wir ihnen zeigen, dass es gut ist, die Spielzeugläden zu plündern, werden sie später (wie auch wir einmal) dasselbe tun. Ziel ist es nicht, einen Mangel zu erzeugen oder den Kindern etwas vorzuenthalten. Auch soll kein Erziehungsziel damit erreicht werden – Kinder müssen dabei nicht etwas „lernen“. Sie schauen sich alles automatisch von uns ab. Ob wir wollen oder nicht. Man kann nicht immer neutral bleiben!

Eine Frage, die man nicht pauschal beantworten kann

Im Grunde genommen kann niemand die Geschenkefrage genau beantworten. Es ist in unserer Kultur so verankert, dass wir uns zu bestimmten Anlässen beschenken – das wird sich in nächster Zeit wohl nicht so schnell ändern. Auch wir beschenken unsere Kinder. Weil wir es so kennen, weil sie es so kennen und alle um uns herum beschenkt werden. Wir wollten hier einfach nur einmal unsere Gedanken dazu äußern. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr bei uns keine Weihnachten mehr und wir spenden das Geld jemandem, der es dringend nötig hat. Weihnachten kann jeden Tag stattfinden. Eine kleine Geste, ein Geschenk, Zusammensein – all das braucht keinen Feiertag.

 

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