Windelfrei Papa

windelfrei

Windelfrei Papa. Was ist denn das für eine Überschrift, werden sich manche vielleicht denken. Für diejenigen, die nicht verstehen, wass ich damit meine, kann ich es aber sehr schnell erklären: Erst mal der Begriff „Windelfrei“. Windelfrei bedeutet, dass wir bei der Erziehung unserer beiden Kids auf Windeln verzichtet haben. OK, das ist jetzt schon einige Zeit her, aber trotzdem hat sich an der Wichtigkeit des Themas nichts geändert. Und „Papa“ heisst schlicht und einfach, dass sich im Falle der Ökofamilie auch der Papa um das Thema Windelfrei kümmert. Ich wollte es schlicht und einfach nicht meiner Frau überlassen, dass sie sich alleine um das Thema kümmert.

OK, sehen wir und die Sache also genauer an und beginnen wir mit „windelfrei“: Eigentlich ist das Wort “windelfrei” nicht wirklich gut um zu erklären, was das Konzept eigentlich bedeutet. Bei „windelfrei“ denkt man schlicht und einfach daran, dass Eltern ihre Kinder ohne Windeln aufwachsen lassen ohne sonst was zu tun. Falls das jemand machen würde, ist das sicherlich nicht besonders gut für die Kinder und ich schätze mal, dass die Nase dieser Person schon recht bald Schluss mit dem Unfug machen würde. Denn Babys die überall hin…en sind ja nicht gerade eine Wohltat. 😉 Und: vom Geruch mal abgesehen: Einfach auf Windeln zu verzichten würde ja eine permanente Putzorgie bedeuten und die Kinder müssten längere Zeit in den eigenen Ausscheidungen sitzen, was für die allgemeine Gesundheit, vor allem aber für die empfindliche Babyhaut sehr ungünstig ist.

Der im Deutschen übliche Begriff „windelfrei“ ist also irreführend, die englische Bezeichnung “elimination communication” ist deutlich passender. Warum? Na ja. Es geht nicht darum die Windeln zu vermeiden sondern mit dem Baby optimal zu kommunizierenund dadurch zu „erfühlen“ wann es denn gerne Balllast abwerfen würde. Denn wie auch bei allen anderen Bedürfnisse zeigt das Baby nämlich auch in diesem Fall an, wenn es was möchte, konkret also das Bedürfnis nach Ausscheidung hat. Überlegt doch mal: Weinte es hat das Baby Hunger, oder Schmerzen oder fühlt sich alleine…. oder möchte gerne seinen Blasen- oder Darminhalt los werden. Das Baby kommuniziert also perfekt, nur wir – die Erwachsenen – können seine Signale oft nicht deuten.

Das muss aber nicht sein. Nehmen wir zum Beispiel Remo Largo (Babyjahre 2002, Seite 206f.): “Kurz bevor ein Säugling den Darm oder die Blase entleert, bewegt er sich etwas mit Körper und Beinen und stößt gleichzeitig einen kurzen Schrei aus.” Alles klar? Babys geben Signale, bevor sie ihre Ausscheidungen rauslassen! Wir müssen also nur noch lernen diese Soignale auch zu verstehen. Largo sagt im Weiteren dazu: (Babyjahre 2002, S.472) “Durch dieses Signal vorgewarnt, hält die Mutter den Säugling so weit von ihrem Körper weg, daß sie von Urin und Stuhl nicht beschmutzt wird.“ Bingo. Situation gerklärt, alles perfekt.

Einerseits bedeutet also „windelfrei“ tatsächlich auf Windeln zu verzichten und das ist aus rein ökologischen Gründen wirklich empfehlenswert. Überlegt doch mal wie viel man an Geld einsparen kann, wenn man keine Windeln kauft und wie viele Ressourcen nicht unnütig genutzt werden, wenn man auf Windeln verzichtet. Windelfrei ist aber viel mehr als „Windeln einsparen“. Windelfrei bedeutet auch, dass man spürt, wann das Baby den Darm entleeren möchte. Es setzt also Sensibilität voraus und auch das Bemühen darum das Kind möglichst intensiv zu „erspüren“. also möglichst intensiven Kontakt mit dem Baby zu haben.

Ab diesen Zeitpunkt kommt jetzt der oben erwähnte Papa ins Spiel. „Windelfrei Papa“ bedeutet, dass auch ich – also der Papa – sich um das Thema Darmentleerung kümmert. Normaler Weise ist das eher eine Sache, die die Mamas machen. Aber ich wollte meine Liebste nicht alleine lassen bei dieser Aufgabe. Also habe ich überlegt, ob ich nicht – genau wie sie – spüren könnte, wann das Kind gerne möchte. OK, ich gebe es zu: Einige Leute, denenn ich davon berichtet habe, meinten zunächst, ich wäre ein Spinni, und das würde nicht klappen. Die mutter – so ihre Argumentation – hat nun einfach mal mehr Kontakt zum Baby, immerhin hat sie das Kleien ja 9 Monate lang im Bauch getragen und spürt daher viel besser was das Kind denn möchte.

Na ja, ich hab mir gedacht, ich spürte auch was das Kind möchte und wir haben es probiert. und siehe da, es hat funktioniert! Auch Papas können „Windelfreiheit“ geben! Ich bin der lebende Beweis, dass es klappt! 😉

Wer mehr zum Thema „windelfrei“ lesen möchte, dem kann ich diese Bücher hier empfehlen:

Bauer, Ingrid (2007): Es geht auch ohne Windeln! Der sanfte Weg zur natürlichen Babypflege. – 3. Aufl. München: Kösel.
Renz-Polster, Herbert (2010): Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt. – 2. Aufl. München: Kösel.Fontanel, Béatrice/d’Harcourt,
Largo, Remo H. (2002): Babyjahre. Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht. – 5. Aufl. München: Piper.
Claire (2008): Babys in den Kulturen der Welt. – 4. Aufl. Hildesheim: Gerstenberg.