Weihnachten – zwischen Liebe und Konsum – Unsere minimalistische Weihnacht

Minimalistische Weihnachten? Jedes Jahr gibt es unzählige Beiträge, Artikel, Diskussionen und jedes Jahr kommt dasselbe dabei heraus. Im Prinzip stört es uns alle, was mittlerweile aus Weihnachten geworden ist und keiner hat mehr Lust darauf. Zumindest nicht auf die Vorweihnachtszeit. Ein Fest der Konzerne und Konsumtempel, denn diese haben am meisten davon. Wochenlang vor dem eigentlichen Ereignis werden wir mit Weihnachtswerbung terrorisiert, solange bis wir fast keine andere Wahl mehr haben und uns schon fast als Außenseiter fühlen, wenn wir nicht mitziehen.

Gestresste Gesichter und immer dasselbe

Wir haben nicht das Gefühl, die Menschen haben Spaß an Weihnachten. Ihr kennt doch sicher auch die mies gelaunten und gestressten Gesichter die man die Wochen vor Heiligabend durch die Einkaufsmeilen hetzen sieht? Und wir alle wissen bereits seit Jahren, dass es so ist. Doch jedes Jahr aufs Neue werden dieselben Themen, dieselben gestressten Menschen durch die Medien gejagt. Umfragen werden ausgewertet und immer kommt das gleiche dabei heraus. Man freut sich auf den Heiligen Abend, doch die Wochen davor sind für alle Stress pur und Geschenke interessieren anscheinend keinen, zumindest nicht in dem Maße, wie es uns die Werbung weiß machen möchte. Irgendwie verdreht? Merkt denn keiner etwas? Was ist da los und was muss passieren, dass endlich ein Umdenken stattfindet?

Zeit miteinander statt schenken

Die Frage nach dem, was wir wirklich wollen, ist recht schnell und einfach beantwortet. Die meisten wünschen sich mehr Zeit. Zeit mit der Familie, Zeit mit den Kindern, Zeit für sich selbst. Zeit um etwas Sinnvolles anzustellen oder Zeit, um auch einmal nichts zu tun. Warum entsagen wir nicht einfach dem Konsum und machen das, was wir wirklich wollen? Haben wir das Gefühl, wir hätten keine Wahl? Ein gemeinsamer Ausflug mit der Familie oder Freunden ist doch tausendmal mehr Wert, als jedes gekaufte Geschenk. Wir können uns zusammentun und etwas Größeres zusammen unternehmen. Geschenke, die uns kurzzeitig ein Glücksgefühl verschaffen, uns aber nicht dauerhaft glücklich machen können ist das, was uns unsere Konsumsucht einbringt. Am Ende sitzen wir in einem leeren Haus, vollgestopft mit Dingen, die uns einmal einen Hauch von Glück haben verspüren lassen. Vor einiger Zeit bin ich über diese tolle Seite hier gestolpert: zeit-statt-zeug.de. Wunderbare Ideen, da findet sicher jeder etwas Passendes!

Vor allem Kindern kann man mit Zeit ein viel größeres und bedeutenderes Geschenk machen, als mit dem 100sten Plastikspielzeug. Wenn ein Kind die Wahl hat, wird es sich immer für gemeinsame Zeit, also für den Menschen entscheiden! Vorausgesetzt, das Kind wurde nicht bereits sein ganzes Leben lang mit Werbung und Co bombardiert. Sicher ist das bei älteren Kindern schwieriger, da auch ein gesellschaftlicher Druck dahinter steht und die Kinder dazugehören wollen. Nach Weihnachten ist der, der das größte Geschenk bekommen hat, natürlich auch der Größte. Eine sehr traurige Tatsache, wenn lebloser vermeindlicher Besitz mehr wert ist, als ein Mensch.

Warum also Weihnachten überhaupt feiern?

Es muss erst ein Fest geben, damit wir zusammenkommen. Damit Familien zueinanderfinden. Es ist heute nicht mehr so, wie es einmal war. Familien sind heutzutage auseinandergerissen, man sieht sich einmal im Jahr – zu Weihnachten. Daher ist es für viele auch wichtig geworden, Weihnachten zu feiern, obwohl man eigentlich keine Lust auf den zugehörigen Stress hat. Eben weil man die gemeinsame, besinnliche Zeit so sehr schätzt.

Dann sind da noch die Kinder. Die riesengroßen Kinderaugen, wenn wir gemeinsam Schmuck anbringen und beim Auspacken der Geschenke. Natürlich lässt uns das nicht kalt und wir lieben es, wenn die Kinder voll Vorfreude sind, es kaum erwarten können und sich am Ende unglaublich über ihre Geschenke freuen. Oder auch nur ein Geschenk.

Und die Tradition? Ist schon längst in Vergessenheit geraten. Wer feiert tatsächlich Jesus Geburtstag? Wohl kaum jemand. Kann man auch nicht erwarten und relevant ist es meines Erachtens auch nicht mehr. Doch der Familie und der Kinder wegen feiern wir es trotzdem, aber ein wenig anders. Hauptaugenmerk liegt nicht zwingend bei den Geschenken, eher beim Zusammenkommen in geselliger Runde – eben eher minimalistische Weihnachten.

Minimalistische Weihnachten im Wohnmobil und ohne Schnee

Wie der (übrigens völlig frei erfunden) Weihnachtsmann gehört für die Deutschen auch der Schnee zu Weihnachten. Aber eigentlich finden wir Weihnachten im Warmen doch irgendwie besser, als im kalten Deutschland. Zumal Schnee nicht mehr garantiert werden kann und es an Weihnachten einfach nur kalt ist (ich selbst vermisse den Schnee wahrscheinlich am meisten von uns allen).

Dieses Jahr feiern wir unsere erste minimalistische Weihnachten, weit weg von Deutschland im Warmen. Wir sind gespannt, wie es aufgenommen wird, unser Lysander ist auf jeden Fall voll dabei und findet es „viel schöner“, weil wir so näher beisammen sind und keiner „wegrennen“ kann, der Schmuck sich nicht verheddert weil zu viel und wir keinen „toten“ Baum (ein Knackpunkt) im Wohnmobil stehen haben. Außerdem müssen wir niemanden der Kinder wegen nötigen uns doch zu besuchen und es gibt auch keinen Streit um das Essen, das möglichst vegan sein sollte.

Minimalistisch schenken ?

Auch mit den Geschenken werden wir es eher minimalistisch halten. Bisher gab es immer einen Berg an Geschenken und damit auch einen Berg an Müll. Beides wollen wir nicht mehr. Mit dem Müll fühlen wir uns nicht wohl und schenken, nur damit man etwas geschenkt hat, ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Prinzipiell würden wir Geschenke komplett ablehnen. Aber: Unser Lysander ist nun 6 Jahre alt und hat bisher immer Geschenke bekommen. Ihm gegenüber wäre es nicht in Ordnung, damit plötzlich aufzuhören. Er versteht zwar den Sinn dahinter halbwegs, möchte aber trotzdem mindestens ein Geschenk. Und das ist natürlich auch verständlich und absolut okay – nur weil die Eltern auf einem Minimalismustrip sind, muss das Kind nicht auf die gewohnten Geschenke verzichten.

Minimalistische Weihnachten

Weihnachten an sich ist eine wirklich schöne Tradition, die wir für uns ein wenig modernisiert und modifiziert haben (manches Mal haben wir um die Geschenke gespielt – das ist ein Spaß!). Es ist nur schade, was die Konzerne daraus gemacht haben. Wenn wir alle ein wenig mehr Acht geben, vor allem aufeinander und das große Spiel nicht mehr mitspielen, können wir doch wieder eine echte besinnliche Weihnacht feiern. Weit weg von Konsum und Konkurrenz.

Wir wünschen euch allen eine schöne Weihnachtszeit – genießt die gemeinsame Zeit uns sagt uns doch, was ihr vom Weihnachtsfest haltet.

Bis dahin – Eure Ökofamilie

 

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Kommentare

10 Kommentare

  1. Toller Artikel und vor allem tolle Einstellung! Mein „Augenöffner“, dass Arbeit und Konsum einen Teufelskreis darstellen und absolut nichts schlimmes daran ist, diesen zu hinterfragen und auszubrechen, fand erst vor Kurzem statt. Ich bin gerade dabei, meine Gedanken zu sortieren und zu überlegen, was das für mich und unser Familienleben bedeuten kann. Ich werde mich jetzt fleißig durch deinen Blog klicken… 🙂 Liebe Grüße, Sara

    • Hallo liebe Sara,

      das freut uns wirklich sehr, dass dir unser Artikel gefällt, vielen lieben Dank 🙂
      Wir selbst hatten auch jahrelang Scheuklappen vor den Augen und wussten nie so recht, warum wir uns nicht einfach anpassen können. Auch die Menschen um uns herum haben das lange Zeit nicht verstanden. Langsam kommt die Erkenntnis. Was lange währt, wird endlich gut 😉 Wir wünschen dir ganz viel Glück auf deinem Weg und wünschen dir nur das Beste!

      Ganz liebe Grüße,
      Sascha und Nadine

  2. Ihr Lieben, heute lief ich mit meinem Sohn durch die Stadt und habe genau das erlebt. Nun wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass so viele Wochen vor Weihnachten und an einem unschuldigen Mittwoch Nachmittag so viel los sein würde. Bei uns kommt erschwerend hinzu, dass unser Sohn kurz vor Nikolaus Geburtstag hat. Wie haben also einige Feste zu feiern und dafür einzukaufen. Ich persönlich bin kein großer Freund von Weihnachten. Mir ist auch das Fest immer zu gezwungen. In meiner Ursprungsfamilie gab es jedes Jahr Streit. Jeder hatte sein perfektes Weihnachten im Kopf. Und offensichtlich jeder ein bisschen anders. Und so trafen immer viele Welten aufeinander. Wir haben schon seit Jahren keinen Weihnachtsbaum mehr, da wir eh immer woanders eingeladen sind. Und zudem tue ich mich schwer, eine echte Tanne hinzustellen. Aber einen Plastikbaum finde ich auch doof. Und am Ende kommt der Heilige Abend dann immer so plötzlich, dass ich es weder geschafft habe, zu dekorieren, noch Plätzchen zu backen oder gar Geschenke einzukaufen. Na dann, frohe Weihnachten. 🙂

    • Liebe Jenniffer 🙂
      wir sind froh, dass wir dem Stress dieses Jahr entkommen konnten. Für uns ist das kaum auszuhalten – vor allem die vielen Gesichert, die deutlich machen, wie wenig das Weihnachstfest mit dem Ursprung zu tun hat. Leider ist es in vielen Familien so, dass man sich nicht einig wird und am Schluß alle frustriert auseinander gehen. Traurig, aber so ist es. Auch ein Grund, warum wir es lieber klein halten und über kurz oder lang gar nicht mehr auf diese Art und Weise feiern.
      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  3. Ein schöner Text mit so viel Wahrheit! Mir ging es früher genau so. …wochenlang Stress, keine Geschenkideen, irgendwas gekauft, Deko gekauft, gekauft, gekauft, gestresst. …und jetzt: zwei kleine Kinder und absolut keine Zeit für diese Zeitverschwendung (geschweige denn das es eine Horrorvorstellung ist mit den kids durch die Läden zu ziehen) Aber die weihnachtliche Stimmung mag ich sehr! Also backen wir Plätzchen und bekleben Kerzen und basteln Fimoperlen und machen daraus Anhänger, die wir verschenken und das macht total Spaß! Und es ist eine Befreiung sich von diesem doofen zwang gelöst zu haben!
    Nur leider ist es schwer, (zumindest einem Teil) der Familie zu erklären, warum sie bitte keine Geschenke für die Kinder schicken sollen und führt zu regelmäßigen endloserklärungen und einer beleidigten Oma. …aber das wird sich sicher auch noch lösen
    eine wunderschöne warme Weihnachtszeit wünsche ich euch 🙂

    • Hallo liebe Anne,

      vielen lieben Dank, wir wünschen euch natürlich auch eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit 🙂 Gerade bei der Verwandschaft ist es oft schwer, Veränderungen herbeizuführen. Das Verständnis fehlt oft, man will dem Kind ja schließlich nur Gutes. Da hilft nur immer wieder erklären 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  4. Liebe Nadine , Glauben deine Kinder an den ? Wenn ja, wann und wie hast du vor ihnen zu erzählen dass den Weihnachtsmann nicht gibt ?

    • *glauben deine Kinder an den Weihnachtsmann ?

    • Hallo liebe Galina,

      nein, unsere Kinder – zumindest der Große – glauben nicht an den Weihnachtsmann, das Christkind, Nikolaus oder Osterhase. Geplant war das nicht, es hat sich so ergeben. Unser Großer ist aber sehr froh darüber, für ihn hat es sich laut eigener Aussage nach einer Lüge angefühlt. Wie wir es mit unserer Kleinen handhaben steht noch in den Sternen. Prinzipiell sind wir sehr flexibel, doch auch für uns fühlt es sich nicht ganz so gut an, den Kindern in dem Punkt etwas vorzugaukeln. Manche Kinder mögen die Vorstellung, andere nicht.

      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

  5. Pingback: Wie viele Geschenke braucht ein Kind wirklich? Liebe und Konsum

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